Fr
—
302
einiger Singfpiele,
5 aufgeführt
r auf der k. k. privil. Marinelliſchen Schaubühne
8 in der Leopoldſtadt.
1 Das „ — 4
—
Sonnenfeſ der Bramiten
Ein heroiſch komiſches Original- Singſpiel
in zwey Aufzuͤgen P
| VV Tens her
- Karl griedrig Hensler.
Die Mufſik iſt
3 95 9 n
Herren Wenzel Muͤller,
Kapellmeiſter.
Die fo beliebte Kinderoperette in einem Aufzug,
|
Herrn Leopold Huber,
| der Handlungswiſſenſchaft befliſſenen,
Auf dem Land kennt man die Rache nicht,
o d e r
del unſchu uldige Br
Die Muſik ift
VEngelshoſen- 4
. Kauer.
gedruckt mit e Schriften, 1790.
—
| DE
Sonnenfeſt der Braminen
. Ein heroiſch⸗ komiſches Original- Singſpiel |
in zwey Aufzuͤgen,
fur die k. . il
Marinelliſche Schaubühne
von
Karl Friedrich Hensler.
Die Muſik iſt
on
Herrn Wenzel Muͤller,
Kapellmeiſter.
Wien, 5
gedruckt mit Schmidtiſchen Schriften, 1798.
Perſonen.
Medan Solana, Gouverneur der Juſel. Hr. Spizelli.
Viele ſeines Hofſtaats und Gefolge.
| Oberprieſter der Braminen⸗
Mehrere Prieſter.
Oberprieſterinn.
Mehrere Prieſterinnin.
Raleph, ein alter Inſulaner.
Bella
1 0 5 feine Töchter.
‚Mädchen bey bem Gouverneur,
Lord Janſen, € eekapitain.
Eduard, ein junger Engellaͤnder.
Laura Wind ſor. |
Barzalo, Eduards Bedienter.
Pirokko, Gärtner.
Mika, ſeine Frau.
Engliſche Seeoffiztere.
Engliſche Schiffs ſolbaten.
Matroſen, Schü ffvoolk.
ä Kr. Joh. Sart.
7 Or. A. Sart. u. m.
Or. 3 Ign. Sartori.
Ir. Joſ. Marinel.
1 r. Berger. u. m.
Mad. Baumann.
Mad. Reiſenhub.
Dem. Bullinger.
Hr. Donſt.
Mad. Mortineau.
Dem. Ammann.
Dem. Schmidt.
Dem. See.
Hr. Kiendl.
Hr. Boudra.
Dem. Babet Sart.
Hr. Baumann de aͤl.
Hr. Baumann d. juͤ.
Mad. Muͤller.
Indianiſches Volk, Sklaven, Kinder.
Die
Handlung geſchieht auf einer indlaniſchen In⸗
ſel, und dagert von einem Morgen bis auf den hg
Tag.
® em
verchrungswärdigen
Publikum Wiens
gewidmet⸗
Dieſes Singſpiel wagen wir, mit all der
Hochachtung und Dankbarkeit „ welche wir im
vollkommenſten Grade in unſrem Herzen fuͤhlen, |
dem verehrungswuͤrdigſten Publi⸗
kum Wiens zu widmen. |
Wir benuͤzten den Zeitpunkt, dieſe Opee
auf die Bühne zu bringen,“ da wir das Gluͤck
haben, fo viele hohe Anweſende in unſern Maus
ern zu fehen-, den Zeitpunkt, wo eine zwofache
Vermaͤßlung unſers allgemein geliebten Er z⸗
herzogs und Seines Durchlauch⸗
tigſten Bruders gefeyert wird.
ö | Ders
DBerbindungen, welche fo viel Gluͤck und
Seegen uͤber Nazionen verbreiten, durch oͤffent—
liche Schauſpiele zu verherrlichen, iſt Pflicht
des Unterthans, Pflicht des Patrioten — und
wie höchft zufrieden wären wir, durch dieſe Oper,
bey deren Auffuͤhrung weder Fleiß noch Koſten
geſparet worden, einen Beweiß zu geben, wie
ſehr wir uns angelegen ſeyn laſſen, die Gnade,
den widerbolten Beyfall eines fo gütigen, als
nachſichtsvollen Publikums zu verdienen.
Im Herbſtmongt.
1790.
Er⸗
Erſter Auftritt.
(Indianiſche Gegend, im Hintergrunde die See. Auf
einer Seite der Bühne eine Hütte mit Bäumen verſetzt,
auf der andern ein Felſenſtück, das in die See ragt.
Mitten auf der Bübne ein brennendes Feuer, wobey eine
Stange mit einem Hirſch iſt, deſſen Geweyhe mit Blu⸗
menkränzen behängt ſind. Um das Feuer iſt ein Chor
Prieſter und Prieſterinnen auf den Knien, jeder Prieſter
hat vor ſich auf der Erde ein Gefäß mit brennendem
Feuer. Die Prieſterinnen haben Rauchwerk. — Ein
fürchterliches Gewitter — Die Blitze kreuzen ſich am Ho⸗
rizont — die See tobt — Bey Eröffnung der Kortine
wird mit heiligen Ceremonien gefungen. )
Chor.
B it Bott, und keiner mehr,
Nichts ſizd der Welten Goͤtter,
Unendlich, ewig iſt nur er, b
Brama iſt unſer Retker!
b A 8 Ep:
3 Das Sonnenfeſt der Braminen, |
( Feyerlihe Muſtk, unter welcher der Oberprieſter
ſpricht) Nuserkohrne des Wiſtnu! Kinder des ewi—
gen Drama! Heil uns allen! denen durch Bramas
Donner der feyerliche Tag verkuͤndiget wird, an
welchem ſeine geheiligten Prieſter das Feſt der uns
fü wohlthaͤtigen Gottheit feyern ſollen. Heilung
allen! — Seht wie die heilige Flamme emporſteigt,
und ſich mit den ſchlaͤngelnden Blizen des Horizon⸗
tes vermenget, ſeht, wie fie emporſteigt zu dem
ſuͤſſen Wohlgefallen unſers ewig groſſen, ewig wah⸗
ren, ewig allmaͤchtigen Brama — (Paufe ) Wohlan!
ſtuͤrzet nieder — betet ihn an im Staub — erfuͤllet
die Luͤfte von ſeiger Groͤſſe mit dem Brauſen des
Sturmwindes, mit dem Bruͤllen ſeiner Donner
— (Sie fallen alle auf ihre Angeſichter ) Brama iſt
Bott!
Gott! Chor wird widerholt.
(Es geſchiebt ein fürchterlicher Donnerſchlag, der
Bliz hat das Feuer ausgelöſcht, das Opfer verſchwindet,
de entfliehen alle unter dem Ausruff:) Brama!
Zweyter Auftritt. 4
(Das Gewitter wüthet immer mehr.)
Bella kömmt fuechtſam aus ihrer Hütte, ein Binſen⸗
körbchen am Arm, hinter ihr Kaleph mit feiner jüngſten
Tochter, er will Bella in die Hütte zurückholen, um
der Gefahr des Gewitters zu entgehen — Indeſſen er⸗
ſcheint ein kleines Boot Auf den tobenden Wellen getrieben)
(in der Ferne) g 1
Bagel Huͤlfe, Hülfe, ſteht uns bey!
250 Vater! hört, hört, welch Geſchrey —
Lora. i
Faleph. Welch ein Rufen? — (Sie eilen zum Ufer)
Eduard ) (in der Ferne) Habt Erbarmen,
Barzalo.) Habt doch Mitleid mit uns Armen. —
Bella.
ein Singſpiel in zwey Aufzügen.
in
Belle.) Vater! eilt — ach welch Entſetzen!
Cora.) Es ſind Menſchen, unſre Freunde —
Kaleph. Es find Britten, unſre Feinde —
ar Laſſet uns zu Hilfe eilen —
Kaleph. Nein ich kann mich nicht verweilen
Meinem N hol ich herbey — (Sie halten
ihn zurück)
rd.
5 a 3 au Huͤlfe 9
Ralph.) Zwiſchen Rach und Liebe bebet
e 5 Se von Schmerz gebeugtes Herz.
Bella (zu Lora) Ich will mich von hinnen ſchleichen,
Schweſter! halte ihn zuruͤck —
Aaleph. (zu Lora) Nein, du ſollſt nicht von mir
weichen,
Harre dieſen Augenblick. —
(Belle ſchleicht ſich an das Ufer, löſet einen kleinen
Fiſcherkahn ab. Sie fällt vor ihn hin)
Bella. Rett ſie aus der Meeres Fluth,
Wale. Mein Herz ſchlaͤgt vor Flamm und Wuth⸗
Dritter Auftritt.
C Zudeffen haben ſich Eduard und Barzals an das
Ufer geflüchtet —
a (eilt furchtſam umher)
(Barz. Nun ſind wir verloren, welch ſchrecklicher Ort!
(Eduard. Nun ſind wir gerettet, welch gluͤcklicher Ort!
Barz. Kommt Herr! kommt, laßt uns eilen,
Hier bluͤht nicht unſer Gluͤck.
Eduard. Ich bleibe hier zuruͤck.
1 88 | 8 zu 1 Komme: laſſet 199
nicht weilen,
Hoͤrt, wie die Winde heulen,
Seht, Vater! ihren Blick,
Nehmt ſie mit euch zuruͤck! |
\ A 4 Naleph.
*
19 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Kaleph. Ich hoͤr, wie Winde heulen,
Ich ſehe ihren Blick,
Und nimm ſte nicht zuruͤck.
Eduard.) Sein Auge zeuget Rache,
Barz. Die Miene zeuget Wuth,
Mir iſt nicht wohl zu Muth.
Barze (Zu Eduard, ihm ins Ohr ſchreyend.) Herr!
Hier giebts Menſchenfreſſer —
Bella.) Seht nur Vater! ihren Blick —
Cora. J Nehmet ſie mit euch zuruͤck.
Eduard. (zu Kaleph. ) Ich bin dein Freund —
Sarz Und ich es (will ihm die Hand reichen
eeilt aber gleich wider zurück
Faleph. Du biſt ein Britte?
Eduard. Ich bin ein Britte —
Kaleph. Do ſolleſt du auch ſterben,
ö Ä Denn deine Nazion
Die ſtahl mir meinen Sohn! —
Barz. Herr! ich bin ein Spanier,
Und nean mich Barzalo.
Kaleph. Steh auf —
Aarz. (Auf den Knien, weinend) Ich ſag es unverholen,
Ich habe nichts geſtohlen.
(Alle Vier zu ſeinen Füßen)
Bella. 2 a . 8 5 1 f x
erg. Ach, Vater! habt Erbarmen,
b Habt Mitleid mit uns Armen.
Raleph. Wohlan! ich will mitleidig ſeyn,
Kommt! kehrt in unſre Huͤtte ein!
ar 15
a Hinein! hinein!
Barz. Wir werden dort nicht ſicher ſeyn.
Gduard. Die Wooge braußt —
Kaleph. Der Sturmwind ſaußt. —
*
Tore Hinein! —
Barz. Nein! nein! —
er Ba: finder ſeyn. (Alle in die Hütte «hs
eln Sirtfpiel in zwey Aufzügen. 71
Vierter Auftritt.
(Oberbramine, ſteßt ſich furchtſam um, hernach Kaleph
an einem Stock daher wankend.)
Gberbr. Vor zwoͤlf Jahren, als ich noch nicht er⸗
kohren war zum oberſten Prieſter unſeres Gottes,
ſtieg die Sonne ſo huldreich berfür, und verkuͤnbig⸗
te herrlich und hehr den feſtlichen Tag unſerer hei⸗
ligen Pflichten — aber heute — Groſſer Brama! per:
birgſt du dich in dem mafeſtaͤtiſchen Gewande deines
a — ſchleuderſt Blize unter uns deine geheir
ligten Diener — und verzebreſt das andaͤchtige,
feyerliche Opfer deines Volkes. —
Raleph. (ohne den Braminen zu ſehen.) Ja, ich
will dem Europäer verzeihen „hn ſpeiſen und troͤn⸗
ken, und dann wieder zuruͤckſenden in ſein Vater⸗
land, um feinen Bruͤbern zu erzaͤhlen, wie ſich
Indianer an ihren Feinden rächen,
HOberbr. Alter! ſchon mehr als ſiebenzigmal far
heſt du die friſchbelaubten Baͤume grünen, hauchteſt
die duftenden Wohlgeruche ihrer Släthen ein —
kannſt du dich, wenn du deine durchlebten Tage zu⸗
ruͤckdenkeſt, eines ſolchen fuͤrchterlichen, Verderben
drohenden Ungewitters erinnern?
Haleph. Noch nie — zwoͤlfmal auser kohrner —
zwoͤlfmal frommer Diener des mehr als zwoͤlfmal
heiligen Brama! noch nie ,als vor zwanzig Jahren —
(Pauſe) O es war eine ſchreckenvolle Nacht! — Noch
ſchreckenboller war mir aber der Verluſt, der mir
aus dieſem Gewitter entſtand. —
Oberbr. Wie das — Alter? —
Kal. Herr! mein Weib gebahr mir einen Sohn —
ſo ſchoͤn und bluͤhend, als wenn er in dem erſten
Fruͤhling der Schöpfung zum Leben erwachet wäre. —
- Öberbr. In dieſer fuͤrchterlichen Nacht gebahr
ſie ihn? —
A 5 Bel.
N
42 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Real, Sie gebahr ihn — und ich — hob ihn auf
zum blizenden Himmel, und weihte ihn ein zum hei⸗
ligen Prieſter des Tram. —
Gberbr. Und dieſer Sohn? —
Kal. In dieſer fuͤrchterlichen Nacht ſcheuterte ein
engſiſches Schiff — die ſchaͤumende Woogen trieben
ein kleines Boot an unfre Kuͤſte — da lag vor mir
ein Europäer — halb todt — und flehte um Huͤl⸗
fe — ich nahm ihn auf meine Schultern, trug ihn
in meine Huͤtte — trocknete und labte den Ermat—
teten, und beherbergte ihu drey Mondenlang. —
Gberbr. Das haͤttet ihr nicht thun ſollen, ohne
daß er ſich zu den heiligen Lehrſaͤßſen unſeres Brama
begeben hätte. — |
Bel, Einsmals des Morgens, noch ehe die Sons
ne ihre goldene Strahlen in die See goß, gieng
ich aus, um in der Bucht zu fiſchen — ich wollte
meinen Kahn abloͤſen — und ſiehe, ich fand ihn
nicht mehr — ich eilte in meine Huͤtte, ſuchte den
Fremdling — und er war entflohen, der europaͤi⸗
ſche Barbar! entflohen mit dem koſtbarſten, was
mir die Gottheit ſchenken konnte — entflohen mit
meinem Sohn! — —
Gberbr. Das war verdiente Strafe von der
Gottheit, weil ihr ihn in eure Hütte aufnabmet. —
RNal. Sollte das moͤglich ſeyn? Herr! o fo bin
ich heute zum zweytenmal ſtrafwuͤrdig, denn ich
rettete wieder zween Fremdlingen das Leben, und
nahm ſte in meine Huͤtte auf. —
Gberbr. Das thatet ihr heute ſchon? — ungluͤck⸗
ſeliger Alter!
Eat. Und warum — Herr! Menſchen retten, auch
wenn ſie unſere Feinde ſind, lehret mich ein ge⸗
wiſſes etwas, daß die Natur in meinen Buſen
ſchrieb, ein gewiſſes etwas, das wohl aͤlter ſeyn
mag, als Bramas Geſetz — lehrt mich arte Herz
(ab)
Sünf.
ein Singfpiel in zwey Aufzügen. 13
Fuͤnfter Auftritt.
Oberbramine, dazu Bella mit einem Körbchen und
Fiſchangel aus der Hütte. N
Bella. (geſchäftig) Jetzt ſoll ich in die Bucht ge⸗
hen und Fiſche holen — und doch möcht ich fo ger⸗
ne da bleiben, und mit dem huͤbſchen Eurosger
reden. — Ich weiß gar nicht, wie mir fo wunder-
bar ums Herz worden iſt, da ich ihn zum erſten⸗
mal geſehen habe. — (Sie erblickt den Braminen)
weh! — jetzt muß ich eilends fort! —
Oberbe. (hält fe auf) Und wohin — wohin?
ſuͤſſe Tochter des Wiſtnu! —
Bella. (eilfertig) Wohin — wohin? hinunter in die
Bucht — Fiſche fangen — Rabbaſittenblaͤtter pfluͤcken
— und dann gehe ich zu Pirokko, bitte ihn recht ſchoͤn
Hum einige europaͤiſche Gartenfruͤchte, um unſern
beyden Fremdlingen eine kleine Ehre erweiſen zu
konnen. — Nun lebt wohl, frommer Herr! ich
ſeh euch bald wieder! — (will fort.) 8
OSOberbr. Nur noch zwey Worte — ſchoͤnes Kind!
Bella. Aber ja nicht mehr — denn — wenn ihr
zwoͤlfe redet, ſo komm ich ſchon wieder um einige
Augenblicke ſpaͤter. 5
Gberbr. Du weißt, meine Tochtet! welch ein
feyerlicher Tag uns bevorſteht — Morgen feyern
wir das zwoͤlfjaͤhrige Sonnenfeſt, unſrem Brama
geheiligt. — ö
Bella. (munter) Das weiß ich — hab mir auch
ſchon ein recht huͤbſches Feyerkleid dazu gemacht —
Korallen und Perlen und Muſcheln hab ich die
ſchoͤnſten geſammelt. —
Gberbr. Noch iſt dir das Gluͤck — das unfaßliche
Gluͤck unbekannt, das deiner wartet. —
Bella. Was fuͤr ein Gluck? frommer Herr!
Gberbr. (mit 1 Sey mir gegrüßt durch
die heilige Zahl, allglüͤckliche Sonnentochter! Sep
mir im Namen der zwölf Sonnenzeichen zwoͤlfmal
geſegnet! — |
Bella.
1 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Bella. Ich verſtehe euch noch nicht, frommee Herr!
Oberbr. So vernehme dein Gluͤck in feiner vollen
Groͤſſe. — Du biſt auserkohren zum heiligen Opfer
unſers groſſen Wiſtnu — bald wartet deiner der
Opferaltar — bald rauchen dir zu Ehren Weihrauch
toͤpfe — ſchon ſind fuͤr dich zubereitet die feſtlichen
Kleider. — |
Bella. (bey Seite) Ey, ey, ey! — diesmal kommt
mir die höhe Ehre zur ungelegenſten Zeit — (laut)
Aber ſagt mir, frommer Herr! warum hat denn
gerade mich das Loos treffen muͤſſen? — (ergreift
ſeine Hand) denn ich muß euch nur geſtehen, wenn
ihr etwa glaubt, daß ihr mir eine Ehre dadurch
erweiſet, wenn ich ſterben fol, fo irret ihr euch
gewaltig. — |
Gberbr. Wie? und du ſieheſt nicht ein den fo
unnennbar groſſen Werth deiner Beſtimmung ? Wiſſe,
Maͤdchen! du biſt zum Opfer erleſen. — Ich will
dieſe Nachricht deinem Vater bringen — ſie wird
ihn heitern, ſeine grauen Haare faͤrben, ihm den
Verluſt ſeines Sohnes vergeſſen machen — ihn durch
den einzigen Troſt ſchadlos halten, eine Tochter ges
zeugt zu haben, die — für Brama beſtimmt, werth
iſt, durch das heilige Opfer zur Vergoͤtterung zu
gelangen. (in die Hütte ab.)
e Belle. (allein, ſteht ihm nach) Hilf Himmel — was
Hör ich? (ruft ihm nach) Wenn ich aber gerade nicht
vergoͤttert ſeyn wil — wie denn? (Pauſe) achtzehen
Jahre erſt gelebt, und ſchon ſterben muͤſſen! nein —
das iſt unmöglich — geſtern — ja geſtern waͤr ich viel⸗
leicht noch eher dazu zu bewegen geweſt — aber heute
— ſeit ich den jungen Engellaͤnder geſehen — ha, ba,
ha! ich weiß gar nicht, wie kurioß es mir da ums
Herz iſt — (Pauſe) wie — wenn etwa das wohl Liebe
wäre? Ey, ey! ſagt doch aber der fromme Bra—
mine, daß man Niemand aus einem andern Welt—
theil lieben duͤrfte. — (Pauſe) Jetzt möcht ich wiſſen,
warum? bitt um Verzeihung, frommer Er 5 ich
ent,
ein Singſpiel in zwey llerzugene 15
5 *
denk, bey einem Maͤdchen von 18 Jahren wird der
Unterſchied wohl ſchlechte Wirkung thun! —
Wie iſt mir zu Muth,
Mir kocher das Blut —
Ich fühl etwas ſchlagen —
Ich kann es nicht ſagen —
Da gehts — titiri — ti —
Bald lach’ ich ha — ha - ha
Bald wen’ ich — hi — hi — hi =
Ich weiß nicht, was es iſt,
Ob das wohl Liebe iſt?
Ja — ja — Nein — nein —
—Dieäie Liebe muß es ſeyn —
Was der Bramin von Liebe ſpricht —
Nein, nein, nein, nein, bas glaub ich nicht. (ab)
Sechſter Auftritt.
\ (pirokko in einen Mantel gehüllt.)
Jetzt da bin ich wieder an ihrer Huͤtte — am
ganzen Leib kein trockener Faden — und wenn ich
nach Haus komme, harte Worte von meiner Mika.
— Geſchieht mir aber recht — alle Tage nehm ich
mir vor, nicht mehr hieher zu kommen — aber kaum
will ich in meinem Garten — ſo heißt's — huſch,
fort — und daher. — Aber warum denn gerade
daher? Kaͤmeſt du auch fo oft zu dieſer Hütte,
wenn der alte Kaleph keine fo artige Toͤchterchen
haͤtte? Es iſt meiner Six nicht anders, als wenn
jedes Sandkoͤrnchen an dieſer Dütte magnetiſirt
ware. — (geht zur Hütte.)
Maͤdchen! komm heraus,
Schau! wie ſeh ich aus —
Tropfennaß iſt Haar und Hut
Naß bis zu dem Fuß — °
Mädchen ! wie iſt mir zu Muth,
Bring mir einen Kuß! — |
| Wie
16 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Wie ein Pudelhuud,
Steh ich vor der Thür —
Wein die Augen wund,
Du koͤmmſt nicht zu mir —
Maͤdchen! komm heraus,
Schau wie ſeh ich aus.
Siebenter Auftritt.
(Pirokko, Barzalo öfnet den Hüttenbalken.)
Barz. Was hoͤr ich fuͤr eine Stimme,
Wer mag da wohl unten ſeyn?
Pirok. Noch nie hoͤrt'ich dieſe Stimme,
f Wer mag wohl da oben ſeyn? (ruft) Bella!
Barz. (mit weiblicher Stimme) Wer da!
Pirok. Zeig mir dein huͤbſch Geſicht —
Barz. Geh fort — du armer Wicht.
Pirok. Eine fremde Menſchenſtimme?
Himmel! wer mag dieſes ſeyn —
Barz. Was hoͤr ich für eine Stimme,
Ein Verliebter muß es ſeyn.
Dirot. Bella! —
Barz. Wer da! |
Pirok. Kennſt du deinen Gaͤrtner nicht, Pirokko —
Barz. Nein, nein, nein, ich kenn dich nicht, Parokko
| — Du Narr. *
Pirok. Ein Narr? wer — ich?
Barz. Geh packe dich von hier, ſogleich von mei⸗
ER ner Thuͤr —
pirok. Ich weiche nicht von hier — weich nicht von
die ſer Thür —
Barz. Du Bengel!
Pirok. Ich ein Bengel? und warum?
Sarz.) Er hält, mich für die Geliebte.
x 5 Welcher Spaß kann groͤſſer ſeyn.
pirok.) Dieſes Wort von der Geliebten,
Welcher Schmerz kann groͤſſer ſeyn.
Barz. (wirft ihm ſeinen Hut auf den Kopf, veränd ert
leine Stimme, und ſchlägt die Defnung zu) Du Narr!
Pirok.
— —
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. te
Pirok. Ach ich beb' an Haͤnd und Fuͤſſen,
Moͤchte dennoch gerne wiſſen,
Wer bey Bella konnte ſeyn.
Barz. (ſchleicht aus der Hütte. Pirokko erkennt den Hut)
Pirok. Ein Hut? von einem Spanier —
(bey Seite) Was hat das wohl zu ſagen?
Bald hoͤr ich auf zu klagen,
Wenn hier ein kandsmann wir — ?
Barz. (bey Seite) Bald werd ichs muͤſſen wagen,
Ihm frey und frank zu ſagen,
SR Daß hier ein Landsmann wir —
(geht zu ihm hin, mit ſpaniſcher Grandezza) Cavalleros!
PDirok. (eben fo) Cavalleros! ( Sie ſchauen einander an,
fallen ſich in die Arme, und geben ſich die Hände)
Welch e 1 !
2 Willkommen ſey mir,
Beyde.“ Ich preiſe das Glide
von Herzen dafür, willkommen ſey mirs
Pirok. um Vergebung! biſt du alſo der hoͤfliche
Landsmann geweſt, der mich vorhin ſo ſchoͤn ge⸗
foppt, und mit ſo huͤbſchen ſpaniſchen Titulaturen
beehrt hat.— 5
Barz. Meiner Six — Kruͤderchen! Verg und Thal,
ſagt man, koͤmmt nicht zuſammen, aber die Men⸗
ſchen — ich hätte wahrlich auf dieſer Inſel eher eis
nen Hottentotten, als einen Landsmann aufgeſucht.—
Pirok. Aber ſag mir doch, guter Freunde, wie
koͤmmſt denn du auf dieſe Inſel? —
Barz Vor 18 Monaten lief von Dower eine engliſche
Flotille aus, um einigen eurer indianiſchen Inſeln
einen kleinen Beſuch abzuſtatten — Der Seeſturm
mochte wohl ſeinen Zahn auf unſern Steiermann
geſchaͤrft haben — genung — wir mußten uns von
unſeren Kameraden trennen, die Wellen waren ſo
barmherzig, uns hier ans Land zu ſetzen — und
ſo kampiren wir ſeit dieſen Morgen hier. —
Pirok. Du dienſt alſo, wie ich merke, bey einem
Engellaͤnder — Barz⸗
B
18 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Barz. Schon ſechzehen Jahre —ein ſeelenguter Herr
— der nur einen Fehler hat. — f
pirok. Und welchen? —
Barz. Er liegt am Liebesfieber krank — und wenn
ihn denn ſo zu gewiſſen Seiten der Paroxismus uͤber⸗
faͤllt, fo irrt ihn die Fliege an der Wand. — Frey⸗
lich hat er auch Urſache dazu; — Vor ſechs Mona⸗
ten fiel unſer Schiff in feindliche Haͤnde. —
Pirok. In feindliche Haͤnde?
Parz. Da kamen nun die verdammte Hottentot⸗
ken, — Kerls, alle ſo ſchwarz, als wenn ſie die
Aufwaͤrter in des Luzifers Garkuͤche wären — nah:
men meinem Herrn ſeine Geliebte weg — und wir
hatten — aus Gnad und Barmherzigkeit nichts —
ach, Leben und bischen Freyheit davon ge—
racht. — ö ;
Pirok. Ey, ey, ey! eine herzbrechende Geſchichte!
Barz. Deßwegen wollen wir auch davon abbre—
chen — aber, ſag du mir, Bruͤderchen! was haſt du
denn durch das Liedchen ſagen wollen, das du vor»
hin da bey der Hütte — (ſingt) Mädchen! komm
heraus — ſchau, wie ſeh ich aus ꝛc. ꝛc.
Pirok. (verlegen) Da — das Liedchen ſagſt du?
nichts — gar nichts — ein kleiner Scherz — ſonſt
gar nichts. — |
Barz. Spaß — brauchſt dich ja nicht zu ſcheuen
— wirſt ja wohl dein jugendliches Feuer nicht in
Spanien verſetzt haben? -
Pirok. Das eben nicht — aber — in der Huͤtte
da wohnen zwey allerliebſte Maͤdchen — ich bin
zwar in keine verliebt, das weiß der liebe Himmel,
— aber ich weiß nicht — alle Tage fuͤhrt mich der
Plunder gerade hieher zu dieſer Huͤtte. —
Barz. Nun — nun — das iſt ja eben kein ſo
groſſes Verbrechen. —
Pirok. Ja — in Madrit wohl nicht — aber hier,
meine Frau iſt eiferſuͤchtig wie ein ſpaniſcher Sole
überreufter. — |
Barz. Wie? du biſt alfo verheurathet ? mit einer
Inſulanerinn? — Pirok.
>
/
DE
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. 19
Pirok. Mit einer Spanierin — Vor drey Jahren
reißten wir mit einigen Botanickern in dieſe Gegend,
um fuͤr den koͤnigl. Garten ſeltene, indianiſche Kraͤu⸗
ter abzuholen — der Gouverneur ließ uns nicht
mehr fort — ich heurathete, wuͤrde auch fo ziemlich
vergnuͤgt leben — wenn —
Barz. Wenn du Augen und Herz nur ganz allein
für dein Weibchen haben koͤnnteſt — nicht wahr?
Pirok. Ich lieb mein Weibchen ganz allein,
Doch eiferſuͤchtig — nein —
Das ſoll ſie niemals ſeyn.
Zwar alle Tage einerley,
Macht Edel und Verdruß,
Wir lieben gern das mancherley,
Und nehmen einen Kuß, 8
Den uns ein huͤbſches Maͤdchen giebt,
Auch wenn fie uns nicht immer liebt —
Ooch — ja — Ich lieb mein Weibchen ganz all ein,
Doch eiferſuͤchtig — Nein — 5 b
Das ſoll fie niemals ſeyn. (will fort)
Achter Auftritt.
Barzalo, holt den Pirokko zurück.
Barz. Apropos — Landsmann! ſag du mir, wer
ſind denn eigentlich die zwey huͤbſche Maͤdchen,
die in dieſer Hütte wohnen —
Pirok. Fiſchermaͤdchen ſinds — die aͤlteſte davon
ſoll morgen — ich maͤcht mich zu todt weinen,
wenn ich nur daran denke — ſoll morgen vor Son⸗
nenuntergang geopfert werben: |
Barz. Ge — ge — geopfert — ſagſt du? —
Pirok. Wenn ein Mädchen auf der Inſel if,
das im zwoͤlften des Monden Kamur zur Welt kam,
ſo wird dieſes Maͤdchen ohne Gnad und Pardon zur
Ehre ihres Brama geſchlachtet. — 5
Barz Alle . was iſt das, Bene
2 2 in
,
*
0 Das Sonnenfeſt der Braminen,
bin ich, daß ich kein Weibsbild bin — und habt
ihr alſo ſchon ein ſolches Maͤdchen? —
Pirok. Was noch das tolleſte iſt — ich hoͤre, daß
ſie ſich noch um dieſe Ehre ſtreiten ſollen — ſag du
mir, Bruͤderchen! — würde ſich nicht bey uns je⸗
des Frauenzimmer um einen Monat aͤlter oder juͤn—
ger machen, um dieſem Specktakel zu entgehen. —
Barz. Wenigſtens wuͤnſchte ich in meinem Leben
nie meinen Geburtstag auf dieſe Art zu feyern. —
Nein, das gienge ich nicht ein —
Es giebt auf dieſer Erden,
Der Freuden ohne Zahl,
Bisweilen auch Beſchwerden
Doch lebt man nur einmal —
Und kommen die Grillen,
Die weiß ich zu ſtillen.
Mit Liebe und Wein —
Nein — das gienge ich nicht ein.
Ich fuͤhl des Lebens Freuden
Und trinke meinen Wein,
Und ſchließ mein Maͤdchen ein —
Denn ohne Maͤdchen, ohne Wein,
Moͤcht ich auf dieſer Welt nicht feyns |
2 (Sie wollen fort.)
Pirok. Alle Teufel — wen ſeh ich — bepm Rit⸗
ter St. Jago! ſie iſts —
Barz. Und wer? wer? — N
Pirok. Mein Weib — meine Mika — komm eine
mal her — gieb mir deinen Hut und Mantel —
Barz. (giebt ihn) Aber wozu? *
Pirok. Hier den meinigen — aber geſchwind —
jetzt wollen wir uns verſtecken. —
Barz. Und wohin?
Pirok. In dieſe Binſenkoͤrbe — hurtig — hinein —
(Sie verſtecken ſich in die Körbe.) ö
.
Neun⸗
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. 21
Neunter Auftritt.
Mika mit einer Gartenſcheer in der Hand, Vorige. 5
Nirgends iſt er zu finden — ich will wetten,
daß er ſich wieder hierhin an dieſe Hütte verlaufen
hat. — Immer geht er den Maͤdchen nach — und
was erſt fuͤr Maͤdchen, fie ind nicht einmal unſerer
Nation, — aber ihm gilt alles gleich, wenns nur
Maͤdchen ſind, — aber erwiſch ich ihn nur einmal, ich
werd ihn mit meiner Gartenſcheer nach 1 trange
Hortiien, daß er ſich wundern ſoll. —
f Männer ſind,
Wie der Wind ‚
Unbeſtaͤndig alle —
Heute hier — morgen dort —
Fort it Schwur und Treu und Wort —
Die neue Liebſchaft wird bedacht,
Das Weib wird ausgelacht.
Pirok.)
Barz. 5 Ey, ey, ey — Männer ſind getreu —
Mika. Keiner —
Beyde. Alle.
Mika.) Hier muß er irgend ſtecken
Ich muß ein bißchen ſehen —
Barz. (Sie wird uns wohl entdecken,
Pirok.) Wie wird es uns ergehn — dj
Mika (ruft) Pirokko!
Barz. Parokko!
Mika. Ich hoͤre ſeine Stimme
Er iſts bey meiner Treu —
Barz. Ich zittere —
Pirok. Halts Maul —
Mixa. (geht dahin) Hier muß ich einmal ſehen =
et O weh! wie wirds uns gehn —
Mika. (ſchleicht ſich dahin) O traͤff ich ihn nur einmal an
Er ſollte ſehn, was ich nicht kann —
Schnitt — ſchnitt — die Naſe ab — die Ohren ab —
Die Naſe muͤßt 9 EL c ie ſtöͤßt an we
3
22 Das Sennenfeſt der Braminen,
Barzallo zittert, ſchreyt, er kriegt heraus, hüllt ſich
in Pirokkos Mantel) O weh! |
Mika. Was ſeh' ih —
Mika. Was iſt hier anzufangen, man ſehe ihn nur an,
den e Mann —
Barz - Mich armen, armen Mann —
Dirof. Sie haͤlt ihn für gefangen, haͤit ihn für ihren
1 55 5 i man ſehe ihn nur an.
ika. Heraus!
Barz. Nein, nein, ich bin J not, eh mer das
Mika. Ich ſchneide dir die Naſe ab — Heraus!
Barz. Die Naſe — o weh — |
Pirok. Sie ſchneidet ihm die Naſe ab. —
Barz. (entflieht) Auweh — ich bin — (pirokko lacht)
Mika. Schnitt, ſchnitt — die Naſe muß herab. (Sie
905 jagt ihm mit der Scheere davon ab.)
5 Zehenter Auftritt.
Pirokko allein. 5
Bey meiner Seele — Sie jagt ihn nach Haus —
Alle Teufel! was hab ich gethan — das heißt ja
den Bock zum Gaͤrtner gemacht. — Pirokko! das
war bumm! — Mein neuer Herr Landsmann koͤnnt
ſich da huͤbſch ordentlich in meine Hausfreundſchaft
einſchmeicheln, und ich waͤre vielleicht auf dieſer
ganzen Inſel der einzige Ehemann, der ſich in die
groſſe Zunft der europäifchen Bruderſchaft einma⸗
krikuliren lieſſe. — Hm, hm, — wie mir mein Herz
ſchlaͤgt — zuletzt glaub' ich wohl ſelber, daß ich
weine Mika ganz allein liebe. —
Weiber! wenn mit duͤſtrem Blick,
Euch der Mann den Ruͤcken kehrt —
Euch in jedem Augenblick
Schuldvoll reine Freude wehrt —
Liebet andere — doch nur zum Schein —
Wenn ihr vom Manne gelicher wollt ſeyn. (ab)
Eilf⸗
ein Singfpiel in zwey Anfzügen. 81
Eilfter Auftritt.
Eduard allein.
Vaterliebe — Vaterſchmerz
Woͤlket ſeine Mine —
Liebe quält mein krankes Herz
Foltert meine Sinne — |
Ruh, und Friede iſt dahin
Jede Freud auf Erden,
Ohne Lauren kann ich nie
Nie zufrieden werden —
Laura! Laura! — dire id —
Laura! ach — wo find' ich dich»
Zwölfter Auftritt.
Bella mit Fiſchangel und Körbchen. Eduard.
Bella. Jetzt da bin ich ſchon wieder — ich hab'
wollen fiſchen gehen — aber es iſt mir unmoͤglich —
ich wollte wetten, daß ich wirklich zu ungeſchickt
wäre, nur den Angel zu werfen. — 1
Eduard. Hier iſt ja eines der guten Geſchoͤpfe,
dem ich mein Leben danken muß.
Bella. (ſteht ihn, ſpringt unſchuldvoll zu ihm hin, und
läßt Körbchen und Angel fallen) Biſt du hier — du
bildſchoͤner Europäer du! ja, ja — jetzt weiß ich
ſchon, warum ich nicht fiſchen gehen konnte. —
Eduard. Und warum? liebes Mädchen!
Bella. Ja, ſieh — das weiß ich eigentlich ſelber
nicht. (ergreift ſeine Hand) Aber — ſag du mir doch
— warum muß ich denn immer an dich denken —
und warum moͤcht ich immer gern bey dir ſeyn? —
Eduard. (bey Seite) Die liebe Natur! (laut) Das
weiß ich ſelber nicht. - |
Bella. Horch einmal, wie mein Herz ſchlaͤgt —
es iſt ganz erſchrecklich, wie es mir ſchlaͤgt — tickt
— tackt — tickt — tackt — und ich glaube ſicher, das
du die Urſache biſt, — wie meynſt du?
2 4 Eduard.
24 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Eduard. Ich? — wie ſollte ich —
Bella. Seitdem du hier biſt, ch und hoͤr ich
nichts mehr, als dich — komm einmal her — laß
hoͤren — ſchlaͤgt dein Herz auch ſo wie das meinige? —
Ednard. O gewiß unruhi ger, gutes Madchen!
Zelle. Ich glaube gar, du biſt nicht gern bey
uns — ober biſt du etwa bungriz oder durſtig —
wart — ich will dir geboͤrrte Fiſche und friſches
Waſſer holen. — «will fort.)
Eduard. Keines von beyden, liebes Mädchen! (ber
Seite) Gott! was fuͤr gute Menſchen auf dieſer
25 ER —
Ha. Sieh — (ſtreichelt ibm die Hand) ich bin dir
fo 1 und du biſt doch ſo traurig — ſag mir doch;
kennt man denn in deinem Vaterland nicht auch ſo
etwas, baß man hier Liebe nennt!
Eduard. O gutes Mädchen! ich kannte fie nur
allzugut dieſe ſeelige Leidenſchaft! — aber woher iſt
fie denn dir bekannt? —
Bela. Mir? ja das will ich dir gleich ſagen —
da kommt oͤfters der Oberbramine zu uns, und
ſchwazt mir bisweilen, wenn ich ſo allein bey ihm
bin — von Liebe vor, und dann nimmt er mich
am Kinn, da ſceigt mir denn das Blut herauf,
daß ich ganz rot 0 werde, — aber ich glaube ſicher,
daß ich viel roͤther wuͤrde, wenn du mich am Kinn
nehmen wollteſt, — wie meynſt, „— nicht wahr? —
Eduard. Welche Unſchuld in ihren Worten!
Bella. (kunſtlos, munter) Sieh mich doch einmal an,
lieber, guter Engellaͤnder! Ich möchte fo. gerne mit
dir in dein Vaterlaud — und dert wollt ich ja ger⸗
ne aus Liebe zu dir an eben den Gott glauben ler⸗
nen „ an den du glaubeſt. (er wendet ſein Geſicht von
ihr) Du ſiehſt mich nicht einmal an? (weint) Ich
mochte ſo gerne beym Leben bleiben, und wenn du
mich nicht lieb haſt, ſo muß ich morgen ſterben. —
Eduard. Morgen — ſagſt du?
Bella. Ja! morgen — An dem Sennenfeſt wird
7 ins
ein Singfpiel in zwey Aufzügen. 25
immer ein Maͤdchen geſchlachtet, und da ſagte der
Oberprieſter, daß wohl mich das Gluͤck treffen
koͤnnte. —
Eduard. Welch ein ages Geſetz?
Bellg. Ich koͤnnte mich freylich auf eine andere
Art retten, — aber ſeit ich dich geſehen, waͤre es
mir unmoglich. —
Eduard. Wie denn, gutes Mädchen ? 1
Bella. Wenn ein Bramine ein ſolches ; Mädchen
ne eonge nimmt, fa hoͤrt das Geſetz auf, und fie
iſt frey
eyuarb: (freudig) Und ber Bramine liebt dich?
Bella. Freylich liebt er mich, aber ich will lieber
ſterben, als ihn wieder lieben. —
Bella. Juͤngling! ich lieb' dich —
Von reiner Seele —
Und ewig werd' ich
Bleiben dir treu.
Eduard. Mädchen! wie gerne
| Wollt' ich dich lieben —
Aber ich bleibe
Nur Lauren getreu.
Bella. Kraͤnze von Blummen
| Will ich bir binden —
Und deine Haare
Mit Roſen umwinden.
Sduard. Mädchen! wie gerne, ie.
Bella. (auf den Knien) Soll ich denn ſterben
(weinend) Ich lieb dich allein — #
Eduard. (leiſe) Ha! ihre Threnen, die nehmen
mich ein.
Beyde. Wir wollen uns lieben,
Aus zaͤrtlichen Trieben,
Der Liebe uns weihn. (Beyde Arm i in Arm ab)
Dreyzehnter Auftritt.
Zimmer in des Gouverneurs Kaſtell.)
Swey Schwarze bringen Polſter, Laura indianiſch, koſtbar
Beendet, hernach Mika.
Laura. Wieder einen Tag erlebt, und noch ſehe
—.—
«5 Das Sonnenfeſt der Braminen,
ich nicht dem Ende meiner Qualen entgegen! — das
edelſte Geſchenk der Vorſicht miſſe ich, Freyheit —
miſſe meinen Eduard , miſſe meinen Vater, mein
Vaterland! — bin unter Menſchen andrer Grund-
ſaͤtze und Geſinnungen, — Sklavinn eines ꝛwar große
mäthigen, aber doch liebefodernden Tyrannen! —
Mika. (mit einem Körbchen „ worinn e Gar⸗
kenfrüchte und Melonen find) Hier „Miß bring ich
euch euer 92 wohn ches Fruͤhſtuͤck, — aber, wie ich
lehe „ſeyd ihr ſchon wieder melancholiſch und ver⸗
druͤßlich. N
Laura. O einzige Freundinn auf dieſer Inſel!
mir iſt keine Freude mehr auf dieſer Welt beſchieden,
ſeitdem mich der grauſame Sturm von meinem Va⸗
ter, von meinem Geliebten entfernte. —
Mika. Aber was nuͤtzt euch das alles — der Gou⸗
verneur — in feiner Art freylich eine beſondere
Schoͤnheit liebt euch — ihr ſeyd in feiner Gewalt
Erlaubt mir, Miß! ein Mann, auch wenn er noch
ſo haͤßlich iſt, iſt doch immer ein Mann, und an
einem Orte, wo di ie Maͤnner fo rar find, beſſer als
gar keiner. — a
Laura. Und du kannſt noch ſcherzen in der trau⸗
rigen Lage, worinn ich mich befinde! —
Mika. Potz taufend! faſt haͤtt' ich vergeſſen —heu⸗
te Morgen, Miß! als das Gewitter tobte, ſcheu⸗
terte ein Schiff, und der Sturm trieb zwey Euro⸗
pͤͤer an unser Ufer. —
Laura, Zwey Europaͤer? —
Mika. Der eine iſt ein Spanier und dient bey
einem Engellaͤnder. —
Laura. Bey einem Engellaͤnder, ſagſt du? —
Mika. Ein ganz artiges Puͤrſchchen, er nennt ſtch
Barzalo —
Laura. auſſer ſich vor Freude) Barzalo — Barzalo!
— und fein Herr iſi ein Engellaͤnder, bey dem er
dient — und der iſt hier auf diefer Inſel? — Mi⸗
kal ums Himmels wille: Mika! es iſt mein Eduard
Mika. Koͤnnte das moͤglich ſeyn — 5
Laura.
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. | 27
Laura. Geh — liebe Mika! hol mir ihn — er
weiß vielleicht, ob mein Eduard, ob mein Vater
noch lebt — hol mir ihn —
Mika. Wem ſoll ich holen?
Laura. Barzalo — den Diener meines Eduards
— Gott! wie gluͤcklich bin ich noch —
Mika. Ja — das will ich — aber ihr muͤßt mir
auch verſprechen, eurer melancholiſchen Laune zu ent⸗
jagen. — Entſchließt euch, dem Gouverneur eine
freundliche Mine zu zeigen, ſo koͤnnt' ihr frey auf
der Inſel umher gehen, und deſto leichter Gelegen⸗
heit finden, zu entfliehen. — Huͤbſch munter und
froͤhlich wie ich — man ſchuͤttelt alle Drangſalen
des Lebens von ſich ab, und duͤnkt ſich unter allen
Muhleligkeiten eine Königin zu ſeyn.
Schwermuth und Grillen,
Will ich vermeiden —
Koͤnnen nicht ſtillen.
Liebe und Kut.
Ich ſuche Freuden,
Haſſe die den —
Juͤhle die Liebe
In meiner Bruſt. x
*+
Gram und Verzweiflung.,
Flliehe meine Seele
Ich wandle froͤhlich,
Ueber die Flur —
Hoͤr mit Entzücken
Menſchen mir rufen — =
Liebet — ach liebet, i
Folgt der Natur. (ab)
Vier zehnter Auftritt
Laura allein.
Ich kaun kaum den Augenblick erwarten, wor:
er ich ihn ſehe den getreuen Diener meines Eduards,
— vielleicht if er allein entronnen den Dh.
2
28 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Wellen der Meeresfluth, — vielleicht, ha — ich
zittre! hat ihn die Vorſicht erhalten, um mir die
Tra ter- Nachricht feines Todes zu uͤberbringen —
(pause) Aber wenn er noch lebte — wenn mein Va—
ter noch lebte, — wenn ich wieder in ihren Armen,
in den Armen meines Vaters. — Guter Gott! der
Gedanke iſt zu entzuͤckend, als daß ich ihn auszu⸗
denken vermag! —
Goldne Freyheit — Himmelstochter!
Du der Menſchheit erſtes Glaͤck,
Kehre in meine Bruſt zuruͤck,
Wie ein Born verlechzt in Duͤrre
Wankt mein Fuß hin matt und irre —
Sklaverey und Sklavenſinn —
Jagt mir jede Freud dahin —
Goldne Freyheit. Himmelstochter!
Du der Menſchheit erſtes Gluck,
Kehr in meine Bruſt zuruͤck. (will ab.)
Fuͤnfzehuter Auftritt.
So wie fie die Vorhänge öfnen will, kömmt der Got
verneur, mit ihm die Braminen, Hofſtaat und Sklaven.
Chor.
Noch furchtbaren Gewittern,
Die uns drohen zu zerſplittern,
Zeigt Brama ſich im Sonnenlicht —
Hei! und Seegen
Fließ auf Bramas Soͤhne —
ließ auf uns herab.
Gouv. Zwoͤlfmal ſchoͤne, zwoͤlfmal theure und
zwölfmal glückliche Tochter des mehr als zwoͤlfmal
groffen und ewigen Wiſtnu! {
Laura (bey Seite) Ha! daß ich mich nur dies-
mal entfernen konnte — (laut, eben fo) Tauſent⸗
mal groſſer tauſendmal ſchoͤner, tauſendmal vor-
treflicher Sohn des mehr als tauſendmal groſſen
und ewigen Wiſtnu! (bey Seite) Ich muß mich nur
verſtellen, damit ich eher Gelegenheit erhalte, Bar⸗
zalo zu ſprechen. — Gsun
—
me
5
Sen
NS
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. 2
Souv. Wie zwoͤlfmal gluͤckliche Schone! das er⸗
ſtemal, daß ich den Gruß des heiligen Brama von
deinen Lippen toͤnen hoͤre. —
Caurg. Und auch auf immer ſollſt du ihn hoͤren,
wenn du mir meine Bitte gewaͤhrſt! —
Gouv. Verlaßt mich alle — und ihr Braminen!
machet Anſtalt zu dem heiligen Feſt — verkündiget
der Gluͤcklichen das Loos ihrer erhabnen Beſtim—
mung, und erfiehet Heil und Segen über Bra—
mas Kinder! — | |
(ein Theil des obigen Chors wird wiederholt)
1 a (nach dieſem alle ab.)
Sechzehnter Auftritt.
Gouverneur, Laura.
Gouw. Du ſcheinſt mir unruhig zu ſeyn, — fin⸗
ſtere Schwermuth woͤlket deine Stirne — — Du
verlangteft vorhin eine Bitte von mir — Rede,
liebliche Tochter der Sonne!
Laura. Heir! ich vermeſſe etwas, das ich fo un⸗
gern vermiſſe — Freyheit — gieb mir dieſe koͤſtliche
N e wieder, und Brama wird dich dafuͤr
eegnen.
Gouv. Mädchen du verkennſt das Gluͤck, das dei:
ner wartet, — deine Nation wird dich beneiden,
wied dich gluͤcklich ſchaͤtzen — wird deinen Nach⸗
kömmeingen noch in ihren Jahrbuͤchern die Geſchich⸗
te erzaͤhlen, daß eine Europocrinn von einem in:
dianiſchen Fuͤrſten geliebt wurde. —
Ach, Mädchen ! nur dich kann ich wählen,
Koͤnnt“ ich dein kaltes Herz beſeelen
Das feſt in deinem Buſen ſchlaͤgt —
Ich ſch' die Reize deiner Jugend,
Ich ehr die Armuth deiner Tugend —
Ach moͤchteſt du fuͤr mich allein,
Fuͤr mich allein erſchaffen ſeyn!
Laura. (zu feinen Füſſen) Erhabenſter Fuͤrſt! —
Sour. Schon Mondenlange ſchmacht ich, und
a doch
—
30 Das Sonnenfeſt der Braminen,
doch iſt nichts vermoͤgend, dir deine duͤſtte Laune
in, Freude umzuwandeln. — N
Caura. Herr! — — Freyheit! Freyheit! und
mein Geſicht wird ſich erheitern wie im ſchoͤnſten
Fruͤhlingstage. —
Gouv. Wohlan! ich gebe dir Freyheit — (ruft)
(zwey Sklaven kommen) Man rufe ſogleich die erſte mei⸗
ner Sklavinnen herbey! — Sklaven ab) Sie ſeyen
deine Geſellſchafterinnin. — Sie ſollen dich unter—
halten mit ihrem Geſang, mit ihren Spiel — Du
ſollſt genieſſen die Rechte der Frepheit; aber ent-
ſchlieſſe dich auch, meine heiſſe Liebe zu dir mit
Gegenliebe zu kroͤnen. (Sie ſetzen ſich beyde auf die
A Polſter.)
Siebenzehnter Auftritt.
Es kommen einige Sklaven und Sklavinnen. Kinder
mit Früchten und Blumen. Die Uebrigen zu ihren
Füſſen.) |
S Finale.
Welche Freude, welch Entzuͤcken,
Sieht aus ihren holden Blicken —
Seegen dir, Gebieterinn!
So wie dieſe Blumen bluͤhen
Soll auch unſer Herze gluͤhen —
Nur fuͤr dich, fuͤr dich allein,
Soll es ganz ergeben ſeyn.
Achtzehnter Auftritt.
Erſter, Zweiter des Hofſtaats.
Erſter. Herr! .
Zweiter Herr 5
Gouv. Was iſt geſchehen?
Alle. Wir ſind verloren!
Erſter
ein Singfviel in zwey Aufzügen gi
Kefler. Ein ODonneraͤhnlichs Knallen,
Hoͤrt man von ferne ſchallen f
Ein feindlich Schiff koͤmmt an. —
Alle. 55 fangen wir nun an? —
Mir 0 x
Euch.) beben alle der; Berkant ſchlagt
euch nieder f)
(O weh! wir find verloren —
Erſter. Ein europaͤiſch Schiff — ?
Alle. Mein Herz ſchlaͤgt gleich einem Danger |
welch ungluͤckſel'ger Tag!
Rezitat.
Gouv. Auf! meine Getreuen! holt eure Pfeile,
bewafnet euch zum Angriff — rufet die Braminen
herbey, daß ſie ihr frommes Gebet vereinigen mit
dem Gebet meines Volkes, damit Seegen von Bra⸗
ma herabſtroͤme auf die ſi Be Waffen unſers
angebeteten Wiſtnu!
Chor von allen.
Wenn Berge uns zu decken drohn,
So ſprechen wir den Bergen Hohn —
Die Donner moͤgen brauſen,
Die Winde moͤgen ſauſen —
Nichts ſchwaͤchet unſern Muth! —
N eunzeh nter Auftritt.
Oberprieſter mit den andern Prieſtern.
Oberp. Zu den Waffen! —
Alle. Zu den Waffen! —
Gberp. Brama iſt Gott! auf kaͤmpft mit un
und Zuverſicht! — 8
Alle. Brama verlaͤßt uns nicht.
Zwanzigfter Auftritt.
Pirokko Mika zu ſeinen ulm.
Pirof. Herr!
Mita Herr.! Gaup:
22 Sas Sonnenfeſt der Braminen
Souv. Was werden die wohl ſagen'!
Pirok.) Ach duͤrften wir es wagen!
Milka. ) | |
mika. Zwoͤlfmal Gnaͤdigſter! g
Pirok. Hundertmal Vortreflichſter! 1
Sou. Was verlangt ihr? — Steht auf! a
mika. ) Deine Gnade! —
Pirok. Ach wir hätten eine Bitte,
| Nehme fie doch gnaͤdig an —
Soup. Und ihr kennet meine Guͤte,
Wenn ich fie gewähren kana.
Mika. Europäer —
Alle. Unſte Feinde!
Nika. Engellaͤnder —
Pirok. Eure Freunde! |
Laura. Engelländer ! was hoͤr ich —
Laura.) ſtuͤrzen (Siehe mich zu deinen Fuͤſſen ,
tra. 5 er 3 <
Pio 5 Dich um eine Gnade flehn —
Gouv. Ach ich beb' an Hind und Fäͤſſen,
Alle. Freunde: kommt! wir wollen gehn —
9955 Sie zu retten, laßt uns eilen —
Bono. Nein! du ſolleſt hier verweilen —
e koͤnnte Hs Geliebter
Pirok. ihr
ika. J unter diefen Britten ſeyn. —
Gouv. Auf meine Lieben! greift zu den Waffen.
Alle. Wir ſind zum Streiten bereit! (dieuibrigen ab)
Ein und zwanzigſter Auftritt.
In der Ferne engliſcher Marſch. —
Laura. Und du willſt dich nicht bequemen,
Deine Rache zu bezaͤhmen — a
Bow, Nein! ich kann mich nicht bequemen,
Deinen Vorſchlag anzunehmen. —
Laura. Ich werd' nie die deine ſeyn! — 955
10 e.
ein Singſpiel in zwey Auf zügen. 28
Alle. Wirſt du deine Rache zaͤhmen,
So wird fie die Deine ſeyn.
a Laura. au feinen Füßen) Vergib — Gib Gnade —
Morde nicht —
Dies iſt ja Menſchenpflicht. x
Gouv. (beiſ. ) Sie haͤlt mich bald gefangen
Im ewigen Liebesband — (hauſe) Claus
Woblan — Sie landen an!
Alle. Welche Großmuth! welche Guͤte —
ö Sie nur ehren wir allein!
Gouv. Meine Großmuth, meine Güte,
5 Nehmen ihre Herzen ein. (alle ab)
Zwey und zwanzigſter Auftritt.
i (Dffene See) Eduard und Barzalo.
Eduard. Laß mich! —
Barz. Nein Herr! ich laß ſie nicht.
Eduard. Was willſt du denn? was iſt geſchehn?
Pons Ich habe Lauren bier, geſehn.
Eduard. Wie Laura ware hier? —
Barz. Ja — Laura! 5
Eduard. Nun fo red’ —
Barz. Der Gouverneur liebt fie —
8 Sie muͤſſen ſich entdecken.
Eduard) Ich beb' vor Orimm und Schrecken,
Beyde. 3 Was iſt nun hier zu thun —
In 2 Verl truͤbe. Ibn ängferurchtn Liebe.
Verwegenheit iſt ick L
Drey und zwanzigſter Auftritt.
Kaleph, Bella, Lora, Vorige. Man hört ſchieſſen.
Vella. Geſchwinde — kommt eilt euch zu retten! .
Lora.
Raleph, Europaͤer — deine Bruͤder —
Eduard. Was hör ich?
Barz. Es iſt um uns Eeſchehen!
* Tduarès
24 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Eduard. Schieß die Piſtole los!
Barz. Ich die Piſtole?
Kaleph. 8
Bella. 2 Fort, fort! unb gehet dort hinein —
Lora.
Barz. Nein — nein! das laſſe ich wohl ſeyn! —
Vier und zwanzigſter Auftritt.
Viele Indianer bewaffnet; — Man hört noch in der
Ferne den indiſchen Chor. Sie wollen Eduard und Barzals
mit Pfeilen todtſchieſſen. \
Raleph. (tritt vor fie hin) Halt ein! er iſt meingreund!—
KErſter. Dein Freund? 5
Alle. Er ſoll a
Barzalo. Ich ha ; 5
815 17 5 75 71 a . at euch ja nichts leids gethan.—
Alle. Er ſoll ſterben!
Fünf und zwanzig ſter Auftritt.
5 (Alle Braminen, Vorige.)
Alle. Herbey, herbey — zum Streit bereit,
Brama iſt Gott von Ewigkeit,
Brama iſt unſer Gott!
(Man hört die engliſche Harmanie immer näher. — Das
Schiff kommt an. — Vorn auf dem Verdeck Seekapitain Jan⸗
ſen, mehrere engliſche Offiziere. Matroſen — Schiffſoldaten:
Eduard. Himmel! was ſeh ich — mein Vater!
Janſen. Sohn! Eduard! \
(Sie ſtürzen alle an das Land, Janſen umarmt ſei⸗
nen Sohn. — Bey den übrigen ein kurzes Gefecht! —
Sechs und zwanzigſter Auftritt.
(Pirokko, Mika, Vorige.)
Ni Halt! Zuruͤck — der Gouverneur! (Eben ſo. Die
Mika.
Engellaͤnder ziehen ihre Schwerter, entblöſſen ihre Haͤug⸗
| ter. u
ein Singſpiel in zwey Aufzügen 35
ter. — Die Indianer fallen zur Erde. Der Gouverneur
von ſechs Schwarzen auf einem indianiſchen Tragſeſſel ge⸗
tragen, umgeben von ſeiner Leibwache.)
Durch rollende Donrer
Alle. 3 Durch ſchlaͤngelnde Blize
Von Sturmes getragen, eilt Medan herbey.—
(Dieſer Chor wird von 80 Engelländern wiederholt.)
Gouv. Wer ſeyd ihr?
Janſ. Eure Brüder — Eure Freunde!
Eduard Als Freunde kommen wir hieher.
Gouv. So ſollt ihr auch als Freunde,
| hier aufgenommen ſeyn!
f Ihr ſeyd frey! — (Freudengeſchrey von allen.)
Alle. Glück und Heil dem weiſen Fuͤrſten,
Gluͤck und Heil dem Menſchenfreund!
Sieben und zwanzigſter und letzter Auftritt.
(Laura mit den übrigen Mädchen, dringt ſich durch
das Volk, Sie erblickt ihren Vater und Eduard, fi
erſterem in die Arme.)
Laura. Vater! f
Janſ. Tochter!
Eduard. Laura! (Wehſelweiſe Umarmung)
Laura. Eduard!
Gouv. Was ſeh ich? f
Janſ. Meine Tochter!
Alle. Seine Tochter?
Gouv. Zwoͤlfmal geſegneter, und zwoͤlfmal gluͤck⸗
licher! (umarmt und küßt ihn auf die Stirne.)
Beſteige dieſen Platz —
Und kehre bey mir ein,
Dort fol für dich das Koſtbarſte reitet feyn,—
Janſ. Welche Gnade! |
Eduard. Wir müffen uns verſtellen —
Alle. Ja, ja — wir folgen gern.
(Das Gefolge hebt Janſen auf den Tragſeſſet, er
bält das Haupt entblößt, fein Schwert in der Hand.
Nach dieſem der Gouverneur in der Mitte, — Laura und
| C 2 Eduard
al
36 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Eduard neben ihm, — Barzalo, die Braminen, Hofſtast
und Volk.)
i Tinzugs⸗ Chor.
Alle. Triumpf! Triumpf! Natur und Pflicht
Und Liebe hat geſiegt
Daene Triumpf! wir morden nicht —
Natur und Liebe ſiegt.
Fe des a lufzuge.
30 65 fet Aufzug.
Erſter Auftritt.
(Szene wie im erſten Akt. Hütte. Felſen. — Nacht. —
(Oberbramine, Braminen, Oberprieſterinn, Prieſterinnen,
welche das heilige Feuer tragen, fie haben Girlanden, um
Kalephs Hütte zu BRD, Die Braminen mit brennenden
Fackeln.
2 Zeyerlicher Chor. 4
J Wonnengefuͤhle
Erhebt ſich der „Buſen. —
Beym heiligen Feuer, dem Brama geweiht!
Gber prieſterinn.
Schon hellet ſich der Morgenſtern,
Nicht mehr iſt uns das Gluͤcke fern —
Auf Eingeweihte des Brama!
Vollziehet eure Pflicht,
Erfuͤllt, was das Orackel ſpricht.
Oberbramine . mit Ceremonie eine Rolle Schilfpapier,
iest.)
Bi „Bella ſoll ſterben!
Alle. (indem fie die Hütte bekränzen)
Auf, laßt uns die Hütte mit Blumen umwinden
Auf, laßt uns ihr Kraͤnze von Roſen umbinden —
Seegen der Allgluͤcklichen! |
Denn fie iſt erfohren,
Und zum Heil geboren, Brama eingeweiht.
ein Sinw'piel in zroey Aufzügen. 2
Zweyter Auftritt.
Vorige, Kaleph aus der Hütte.
Roleph,. Was bor ich — Noch iſt alles ſtille —
noch färber nicht das goldene Morgenroth die Wip⸗
feln der Baͤume, und ſchon hallen die heiligen Bank⸗
opferlieder zur Ehre unſerer Gottheit. —
Oberprieſterinn (tritt vor mit Ceremonie, giebt Kaleph eie
nen Kuß auf die Stirne.) Friede mit bir — gluͤckli⸗
cher Greiß! Seh mir geſeegnet durch die heilige
Zahl im Namen der zwoͤlf Sonnenzeichen! —
Oberbr. Und ich gruͤſſe dich zwoͤlfmal im Namen
der Mondesläͤufe! Alter! Heil über dich — Heil
über deine Hätte! — denn durch deine Tochter iſt
dir verliehen Seegen und Gluͤck bis in das tauſend⸗
fie Glied. — 3
Kaleph. Verzeiht mir, frommer Prieſter! aber noch
kenne ich nicht das Gluͤck, das meiner wartet.
Oberprieſterinn. Rufe Bella, dein aͤlteſte Toch⸗
ker. i 1700
Kaleph. Meine Kinder fuhren ſchon vor Tages⸗
anbruch in die Bucht, um zu fiſchen. — ö
Oberbr. Bella iſt auserleſen vor fo vielen tau⸗
ſenden zum heiligen Opfer, auserleſen, bald in
Bramas Wohnſtz zu leuchten in ewiger Glorie.
Faleph. Heil mir und ihr! — aber verzeiht mir,
Erkohrne des Wiſtnu! verzeiht einem alten Mann
dieſe Thraͤne — Mein einziger Sohn iſt dahin, und
jetzt auch meine Tochter? — (Pauſe) und von die⸗
fen drey Sproͤßlingen nur einen noch — (mit erho⸗
denem Blick, er beginnt zu ſincken; fie bringen ihn in
zie Hütte.) Ewiger! dein Wille geſchehe! —
7 (alle in die Hütte ab.)
Dritter Auftritt.
(Es wird immer heller.) Man ficht Bella und Lora in ei⸗
nem kleinen Fiſcherkahn daherfahren, — Sie feigen auf
den nahen Helfen. und angeln.) a
*
3 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Bella. Wir wollen uns hier verweilen, — viel-
leicht, daß wir doch noch fo gluͤcklich find, etwas
zu fangen. — a
Lora. Ja, ja — der gute Vater! wenn er die
Urſache wüßte, warum wir nichts gefangen haben.
— (Ste werfen die Angel) N
Bella. Und wer meynſt du, daß daran Schuld
iſt? — wer anders, als der huͤbſche Engellaͤnder.—
Lora. Laß dir einmal erzaͤhlen, wie es mir ge⸗
ſtern mit dem europärfchen Gaͤrtner gieng. 1
Ein Maͤdchen von gar feiner Zucht
Die wollte fiſchen geh'n —
Hinunter in die nahe Bucht,
Doch hoͤr — was iſt geſcheh'n —
Bella. Und was? |
Lora. Es kam ein junger Mann zu ihr,
Komm, liebes Maͤdchen! komm mit mir —
Bela. Ey — ey — wohin? (Sie ziehen den Angel)
Beyde. Fiſchchen! ziehet an — Hier ein herrlich Mor⸗
genbrode,
Fiſchchen! ziehet an! ö
Lora. Er nahm die Hand, und druͤckte fie
Und hat ſein Weſen viel,
Je mehr ſie bat — je mehr ſie ſchrie —
Trieb er mit ihr ſein Spiel.
Bella. Nun weiter — 5 R
Lora. Doch endlich, welche Angſt und Noth!
i Sie wurde — ach! bald blaß, bald roth —
Bella. Ey, ey! warum? (Sie ziehen den Angel)
Beyde. Fiſchchen! ziehet an. ꝛc. ꝛc. (ſie ziehen am
Angel einen Fiſch heraus, ſteigen voll Freude
| vom Felſen herab.)
Vierter Auftritt.
Vorige, dazu Barzalo
Zarz. (eilend) Nun jetzt ſtehen wir auf guten
Fuͤſſen — das beſte wird wohl ſeyn, wir machen
uns aus dem Staub. — Der Gouverneur erg
wo
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. 39
wohl kein Wort davon wiſſen wollen, daß Laura
meines Herrn Geliebte iſt — und keiner wirds dem
andern abtreten, zuletzt wirds vonnoͤthen ſeyn,
daß wir das Maͤdchen von einander ſchneiden,
und einem jeden davon eine Portion zukommen laſſen.
(Beyde Mädchen haben ſich heimlich hinter ihm geſchlichen
Bella. Willkomm — ) ;
Laura. Willkemm — 3 Gugleich)
Barz. (erſchrickt anfangs) Tauſend Sapperment
bald haͤttet ihr mich erſchreckt — und bey fo artie
gen , lieben Puͤppchen iſt eben ſonſt nicht meine
Gewohnheit, zu erſchrecken. — Aber zum Henker!
was habt ihr den hier?
Bella. Einen Fiſch —
Barz. Ja — das ſeh ich, daß es kein ſpaniſcher
Stier iſt. — ä
Laura. Den haben wir ſo eben gefangen.
Barz. Den Fiſch — 2 der iſt ja beynahe ſo groß,
wie ihe ſelber — ihr ſeyd ja gar ein paar liebliche
kleine Geſchoͤpfchen; — Sagt mir doch: duͤrft ich
mir nicht ein Stuͤckelchen von eurem Fiſch aus⸗
bitten, er muß ja herrlich ſchmecken. —
Laura. O ja, warum nicht — wart nur — ich
will ihn au der Sonne doͤrren — und mit Oehl
und Kuͤrbißblaͤttern überlegen — und dann ſollſt
du das beſte Mittelſtuͤck davon erhalten. (ſpringt ab.)
Barz. (bey Seite) Die Mädchen verftehe: mich
nicht — ich hätte gern etwas anders, etwa ein
Kuͤßchen in Ehren. — (laut) Apropos! Kinderchen!
habt ihr meinen Kameraden nicht geſehen? Wo iſt
denn die Kleine hingekommen?
Bella. Fort iſt fie, aber eben recht — auf dei⸗
nen Kameraden bin ich wohl recht boͤſe, — es hat
mich auch recht geſchmerzt, daß er den Unterſtand
nicht bey mir genommen hat. — 8
Barz. Und warum? — a |
Bella. Warum ? weil ich ihn eben gerne bey mir
habteg hätte — o ich bin ihm fo gut, — und ſoll⸗
C 4 teſt
40 Das Sonnenfeſt der Bram inen,
feft du das wohl glauben, ich habe heute Nacht
wohl über hundertmal an ihn denken muͤſſen. —
Barz. Ueber hundertmal, ey, ey, — das iſt
viel — du biſt alſo meinen Kameraden ſo gut,
ſagſt du? —
. Ja, und er ift mir auch gut — hoͤr ein⸗
maꝗ 62
Ein Jüngling liebt mich ſchlank und ſchoͤn,
Voll heiſſer Liebesgluth —
Ich geb' ihn Lieb für Liebe hin
Sein Herz iſt rein und gut —
Er iſt ſo munter friſch und froh
Der Schoͤnſte auf der Welt
Hat goldne Locken, keiner fo
Der mir, wie er gefaͤllt.—
8 Ein Juͤngling ꝛc. ꝛc. (ab)
Barz. (ihr nachſehend) Daß doch das Verliebtſeyn
unter jedem Hemmelsſtrich in der Mode ſeyn muß«
— Goldne Locken ſagt Sie? iſt denn mein Haar
auf der Jaſel golden worden? der Schoͤnſte auf der
Welt? Nun, das konnte freilich woͤglich ſeyn —
Aber wie? wenn das Alles meinen Herrn angiens
ge ? Meinethalben! was bekuͤmmre ich mich darum
— Ich liebe die Weiber, das iſt wahr ‚ aber mein
Gehirn ſollen Sie mir nicht zerruͤtten — Kommt
her, ihr treuen Geſellſchafter meiner mißlauniſchen
Stunden — habt mir doch ſchon manche Grille von
der Stirne weggejagt. (Zieht ſpaniſche Klappern aus
der Taſche, und ſingt.)
Weg mit den Grillen, dieſe ſind
Nur fuͤr Verliebte Herrn —
Die Sorgen jag' ich in den Wind
Die laß ich andern gern.
Das Seufzen laße ich wohl ſeyn —
Es machet dickes Blut,
Bey Freiheit und bey gutem Wein
4 Da hat man frohen ne
Fuͤnf⸗
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. 41
Fünfter Auftritt.
Eduard, Janſen, Kaleph. |
anf. Cin höchſter Beklemmung, Kalevh an dem Arn)
Ihr verloret alſo euren einzigen Sohn vor 20
Jahren?
Bal. Ich verlor ihn, und Herr! mit ihm jede
Freude meines Lebens!
Janſ. Waret ihr denn dazumal ſchon auf dieſer
Inſel, alter Mann ?
Kal. O nein! einige Seemeilen von hier ward
er gebohren — ich konnte mich aber nicht mehr
laͤnger an dem Ort aufhalten, wo mir mein Sohn
geraubt wurde, — ich floh mit meiner kleinen Fa⸗
milie hieher. —
Janſ. (bey Seite) Er iſts — bey dem allmaͤch⸗
tigen Gott! er iſts — (laut) Alſo der Europäer
belohnte euer Mitleid, eure Gaſtfreundſchaft mit
dem ſchwaͤrzeſten Undank?
Eduard. kord! bald ſchäme ich mich, ein Euros
er zu ſeyn. —
ie Nel. Sein Gott fol ihm vergeben, fo wie ich
ihm vergebe. —
Janſ. Du. vergibſt ihm, ſagſt du? — du der:
giebt ihm? — nun fo lege deine Hand auf mein
Herz — faſſe mich feſt in das Aug — erkennſt du
nichts auf meiner Stirne, das den Stempel die⸗
fer unmenſchlichen Handlung trägt — Alter! Alter!
der Barbar, der dir deinen Sohn ſtahl, der Bar:
bar, der dich 20 Jahre des ſuͤſſen Vaternamens
beraubte — der Barbar — war ich. —
Kal. Was hoͤr ich —
Eduard. Lord! das thatet ihr?
Janſ. Vergib mir, Alter! es find noch Freuden
für dich auf dieſer Welt aufbehalten. — Fuhr mich
in deine Huͤtte, das Gluͤck, das deiner wartet, in
ſeiner vollen Groͤſſe zu fofien , vermögen deine
Er nicht. — 1 hört in der Hütte die Bramk⸗
nen.
Bag
42 Das Sonnenfeſt der Braminen,
nen. Bella ſtürtzt heraus, ſinkt ihrem Vater in die Ar⸗
me, hinter ihr Prieſterinnen und Prieſter)
Sechster Auftritt.
(Oberprieſterinn bekränzt ihre Haare, wirft einen Schleier
b über fie — )
Gberp. Mit dieſem Schleier,
Entreiß dich auf ewig
Dem menſchlichen Auge —
Dein iſt die Ehre, dein iſt der Ruhm,
Du biſt nun Bramas Eigenthume
(Sie wird in die Hütte geführt.)
Chor.
Seegen der Allgluͤcklichen, denn ſie iſt erkohren,
Und zum Heil gebohren, Brama eingeweiht. (alle ab)
Siebenter Auftritt.
Janſen, Eduard.
(pauſe — beyde mit umwundenen Armen, in Gedanken
| verſunken.)
Eduard. Aber Lord! Seyd ihr ein Engelländer ?
Janſ. Ja, ſchon vor 20 Jahren war ichs —
aber, bey Gott! heute will ich dir aufs neue ber
weiſen, daß ich es noch bin, — Eduard! Du weißt,
ich nahn dich an Kindesſtatt an — du biſt mit
meiner Tochter verlobt, — wir muͤſſen uns ent⸗
weder durch Guͤte und Liſt, oder durch Gewalt zu
Herren dieſer Inſulaner machen. Laß uns das
Maoͤdchen retten! —
Eduard. Lord! dieſer Vorſchlag verſoͤhnt euch
wieder mit mir. — |
Jauſ. Wenn der Oberbramine ein ſolches Maͤd—
chen zu heurathen verſpricht, fo iſt fie gerettet. —
Edward. Wenn fie ihn aber nicht liebt? —
Sort So wollen wir Liſt zu Huͤlfe nehmen,
und ihr Aberglauben ſoll uns zu fatten . —
f olg
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. 43
Folg mir, Eduard! das Maͤdchen vom Tode zu
retten, ſey unſre Sache. (ab.)
Eduard. (allein) Und du ſollteſt allein ungluͤcklich
ſeyn, gutes Maͤdchen! Nein! — ob ich dich gleich
nicht lieben kann, ſo will ich doch alles anwenden,
um dich zu retten.
Liebe, o Liebe! wie maͤchtig biſt du?
Wie pochen die Herzen der Meuſchen dir zu —
Wie lächelſt du fd himmliſch ſuͤß, f
Gleich Engeln in dem Paradies —
Wie machſt du die Menſchen fo laͤmmermild,
So grauſam andre, und ſo wild — |
Liebe — O Liebe! wie maͤchtig biſt du,
Wie pochen die Herzen der Menſchen dir zu. (ab)
Achter Auftritt.
(Palmenhain. Auf einer Seite deſſelben eine niedliche
Maſenbank, Laura kömmt.)
Ich ſuche Ruhe, und finde ſie nicht — Eduard!
Eduard! du mir ſo nahe, und noch iſt mir nicht ver⸗
goͤnnt; dich als meinen Geliebten zu umarmen. —
Wie ſchoͤn, wie herrlich alles um mich her iſt, und
doch iſt es ſo truͤb in meiner Seele. — Ich will mich
einmal hieher ſetzen auf dieſe Raſenbank, und —
Himmel! was ſeh' ich, „
(ſie will ſich ſetzen.)
Neunter Auftritt.
(Chor von Kindern mit Roſengirlanden.
Erſtlinge der Flur!
Bluͤmchen der Natur!
Schmuͤcket unſre Koͤniginn —
Roſen und Violen,
Wollen wir dort holen
Unſrer Blumenkoͤniginn.
Laura. Dank euch, aute Geſchoͤpte! für eure
Liebe — aber — Wen ſeh ich? — Himmel! es iſt
Eduard! — (ihm in die Arme) Eduard!
Zehn⸗
48. Das Sonnenfeſt der Braminen,
Zehnter Auftritt.
(Laura, Mika und Eduard.)
Eduard. Laura! Nur auf einige Augenblicke in
deine Arme. — >
Laura. Wie koͤmmſt bu hieher in dieſen Garten?
Eduard! 5 ?
Eduard. Durch deine Freundinn hier. — Laß uns
die koſtbare Zeit nicht mit leeren Worten vertaͤn⸗
deln. — Hoͤr mich an, — um den Gouverneur da—
bin zu bewegen, daß er mir eine freye Zuſammen⸗
kunft mit dir geſtaktet, mußt du dich für meine Schwe⸗
fer ausgeben. | 8
Laura. Für deine Schweſter? —
Mika. Ja, ja — kurz und aut, für feine Schwe⸗
ſter — und dann in etlichen Tagen machen wir An⸗
ſtalt zur Flucht — und dann — friſch — fort in
unfer Vaterland, nach Eurdpa — dann heißts; —
Laſſet uns zu Schiffe gehn,
Seht, die blanke Flaggen wehn.
Spannt die Geegel an —
Huſch, huſch, fort nach Spanien,
Huſch, fort — nach Brittannien —
Dort weiß 90 nichts von Sklaverey,
Dort liebt man ſich ganz frank und frey
Dort giebt es keine Wilden mehr
Adieu, ſchoͤne Inſel! adieu Herr .
5 (ab)
Eduard. O! daß dieſe gluͤckliche Stunde ſchon da
wäre, wo ich verbunden mit meiner Laura der kiebe
Freuden in meinem Vaterland genieſſen koͤunte! —
Laura. Ich ahnde es, Eduard! wir werden gluͤck⸗
Das Schickſal winkt, wir find vereint
Welch graͤnzenloſes Gluͤck — !
Eduard. O Tag der Freude! wenn erſcheint
10 Der ſelige Augenblick — 2
Lauda. Dann fol uns nichts mehr ſtoͤhren
Eduard. Wenn wir uns zugehoͤren.
| Deydte
V
IN
ein Sinsſpiel in zwey Aufzügen. 4.
Beyde. Dann ſollen wie die Quell ſo rein,
Im Fruͤhling unſre Tage ſeyn —
Eduard. Wirſt du mich nie vergeſſen, die de
Fe mein Alles biſt —
Laura. Wie koͤnnt ich mich ermeſſen, zu audz
len bi ch mit Trug und Liſt.
Ebuard⸗ Ich lebe nur fuͤr dich, und werde
niemals wanken s
Laura. Du lebſt ja nur fuͤr mich, welch ſeliger
g . Gedanken!
Eilfter ? Kuftr itt. 175
(Laura, Eduard, Mit ga.)
Mika. (ſchnell) Hilf Himmel! d er Gouverneur!
Entfernen je ſich. —
Eduard. Maͤdchen! leb wohl! wir ſehen uns bald⸗
wieder. (ſchnell mit Mika ab. zura ſetzt ſich auf die
Maſenbank) }
(Die Kinder wiederholen die Hälfte des Chors.)
Zwoͤlfter Auftritt.
(Vorige der Gouverneur winkt, ſte gehen ab.)
our, Immer noch Schwermuth auf deinem Ge⸗
ſicht, ſchoͤne Eurspaͤerinn! und doch ſuche ich alle
Gelegenheit, dir dieſen Ort angenehm zu machen,
und dich von meiner heftigen Zuneigung zu ver⸗
ſichern. —
Laura. Herr! ohne Graͤnzen iſt eure Gnase für
mich! — Ihr nahmet meinen Vater fo gaſtfreund⸗
lich auf in euer Kaſtell, ich würde hoͤchſt un⸗
dankbar ſeyn, wenn ich eure Gnade mißbrauchen
wollte. — Laſſet nur eine Bitte bey euch ſtatt finden.
Gouv. Rede — ſchoͤne Laura! —
Laura. Unter den europdifchen Fremdlingen be⸗
findet ſich mein Bruder, — o ſo ward noch kein
Bruder geliebt wie Ar A geſtattet ihm freyen Zu⸗
tritt, und — f * 8
Bond,
46 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Gouv. Wie nennt er ſich, dein Bruder?
Laura. Eduard!
Couv. Schoͤnſte Laura! du ſollſt ihn ſehn,
Ihn, den deine Seele liebt —
Dem Geliebten du entgegen gehn
Der bir Freud und Wonne gibt —
Nehme dieſe Gnade als ein Zeichen \
Meiner Liebe, die mein Herz dir ſpricht —
Dieſe Blumen finden ihres gleichen,
Aber meine Liebe nicht.
Laura. Herr! wie kann ich's euch vergelten —
Couv. Maͤdchen! ach! für alle Welten,
Geb? ich deine Fiebe nicht?
Laura. (bey Seite) Weh mir! wenn ſein Herz fo ſpricht“
Gouv. Deinen Bruder ſollſt du ſehen —
Laura. Ich will ihm entgegen gehen —
eyde. C Welche Freude! welch ein Gluͤck —
Ihren Bruder, ſucht ihr Blick —
Meinen Eduard ſucht mein Blick. Beyde ab)
Dreyzehenter Auftritt.
(Vorige indianiſche Gegend.)
(Vella aus der Hütte verſchleiert. Eduard kömmt.)
Bello. 18 Jahte, die ich auf dieſer ſchoͤnen
Erde gelebt, ohne der Liebe ſeligſte Empfindung
je in weinem Buſen gefuͤhlt zu haben. —
Educrd. Himmel! Sie iſts — Bella! (will fie an
der Hand nehmen.) |
Bella. (will fliehen) Laß mich — du allein verbit—
terſt mir den Tod. — Das Geſetz verbeut mir,
von dieſem Augenblicke an, mit einem Manne zu res
den. — Wenn ſie kaͤme die Prieſterinn, und traͤfe
mich an in dieſer ernſten Stunde bey dir — bey
dir, der du die Urſache meiner Thraͤnen, die Urfas
che biſt, warum ich dieſe Welt ſo ungern verlaſſe.
Kduard. Armes Maͤdchen! wirf deinen Schleier
urüc,
‘ Bella. Uumöglih, — Was begehrſt du, Fluch,
ewiger
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. 47
ewiger Fluch kaͤme ber meine Gebeine, wenn ſie
lügen auf dem Scheiterhaufen, um hinuͤber zu wars
deln in die ſeligen Gefilden des Brama. —
Eduard. Du wuͤnſchteſt alſo ſehr, bey Leben zu
bleiben? — gutes Maͤdchen! | i
Bella. Frage dein eigen Herz, dieſes fol dir
antworten. | Ku
Schoͤn iſt das Leben,
Schoͤn die Natur,
Wenn Blumen bluͤhen
Auf roſichter Flur.
Aber noch ſchoͤner
Iſt mir dein Bild
Wenn es mir laͤchelt |
Himmliſch und mild. )
Schoͤn iſt — ꝛc. ꝛc. (in die Hütte ab.)
Vierzehenter Auftritt.
(Eduard allein, hernach der Oberbramine.)
Eduard. Armes, unglückliches Maͤdchen! daß ich
ein Mittel wuͤßte, um dich zu retten — ha! dort
kommt der Oberbramine heilig und ernſt, in tiefes
Nachdenken verſunken, — ich will mich entfernen.
abwärts
Gberbr. (geht vor die Hütte) Hier iſt ber Be 5
Ort, hier die heilige Mauern, welche die Geſeg⸗
nete einſchlieſſen, — wie gerne moͤchte ich fie von
ihren heiligen Geluͤbde entledigen. — |
Eduard. (bey Seite) Ha! ich faſſe neuen Muth e
>— (lauf) Segen über euch, frommer Prieſter des
Brema! Sagt mir doch, Herr! ſchon lange unter⸗
ſuche ich die Urſache der feſtlichen Verzierung dieſer
‚Hütte? — Was hat fie zu bedeuten?
f ee ee a. wohnt ein Maͤdchen,
zu Zrama pfer beſtimmt, und i
hieher, fie zu retten. N ; 1 Mer:
Eduard. Und wie koͤnnt ihr das?
Gberbr. Ich fodre fie zu meiner Gatti IR:
liebe fie, 15 fi 5 5 G ktinn, ich
48 Das Sonnenfeft der Braminen,
Eduard. Thut das, frommer Herr! ihr werdet
eurem Brama ein angenehmeres Opfer bringen,
wenn ihr nicht unſchuldig Blut vergieſſet.
Gberbr. Wenn fie mich aber nicht liebt?
Eduard. Kommt! ich will mit ihr reden, will fie
ausforſchen, will euch die Nachricht überbringen,
will fie mit allen Gründen der Billigkeit zu übers
reden ſuchem — Kommt. — |
Oberbr. Es iſt ihr aber nicht mehr vergoͤnnt,
ſich vor profanen Augen zu entſchleiern.
Edd!uard. (eilig) So kommt — gebr mir auf einige
Augenblicke euer heiliges Gewand, worinn ich
die ſchoͤnſte der Menſchenpflichten — Menſchenliebe
ausuͤben will. (zerrt ihn fort.)
Oberbr. Was verlangt ihr? — ich verſtehe euch
nicht. —
Sbuard. Etwas, das Menſchenliebe heiſcht — et⸗
was, das euer Herz gebeut, — ihr ſollt das Maͤd⸗
chen retten! (nimmt ibn mit Gewalt fort, ab.)
Sünfsehenter Auftritt.
(Mika allein.)
Wenn ich nur einen von denen zwey Männern fins
den koͤnnte, um ihnen alles zu entdecken. — Wie
geſagt, fort von dem Neſt, das wird das Beſte
ſeyn. Das Schlimmſte bey der Sache iſt, daß
dieſe Inſel mir Waſſer umgeben iſt, denn das
zu Fuß gehen auf dem Meer hab ich nicht gelernt.
Saas laͤßt ſich auch nicht ſehen, und jetzt waͤr
doch ſo die beſte Gelegenheit, eine kleine Ltebesun⸗
terhandlung mit ihm zu pflegen.
Iſt der Mann nicht zu Hauſe,
Vagirt er umher,
Geht's Weibchen zum Schmauſe
Und zanket nicht mehr —
Es lachet und herzet, es kuͤſſet et und ſcherzet —
Und kommt er nach Hauſe, bey Tag und beydeacht,
So wird eins geſcherzet, gekuͤßt und Gra,
Sech⸗
|
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. 49
Sechzehenter Auftritt.
f (Mika, Barzalo.)
Barz. Braviſſimo! auf dieſer Inſel iſt ja Freuds
und Vergnuͤgen zu Haus, was machſt denn du
hier? haſt du meinen Herrn nicht geſehen?
Mika. Er iſt bey feiner Geliebten, aber ſag du
mir: bäfteft du wohl Luft, in einigen Tagen mit
mir nach Spanien zu reiſen? —
Barz. Und warum nicht? wo du biſt, du kleine
Schelmin! da bleibe ich ſicher nicht zuruͤck; — aber
was wird denn dein Mann dazu ſagen? he! —
mika. Mein Mein! du meynſt den Pirokko? den
laſſen wir hier. — (bey Seite) Ich muß ihn nur
ein wenig mit Unwahrheit berichten. — (laut) Sieh,
im Vertrauen gejagt, er iſt noch nicht ganz mein
Mann. — Wir waren lange Zeit die einzigen en⸗
ropaͤiſchen Geſchoͤpfe hier, und du weißt ja, gleich
und gleich geſellt ſich gern. —
Barz. Das iſt ja allerliebſt! — auf dieſe Art
koͤnnten wir alſo immer noch ein Paar werden?
gieb mir deine Hand! —
Mika. Nun freylich! — hier haft du alle beyde. —
Barz. Maͤdchen! willſt die meine ſeyn,
Gieb die Hand und ſchlage ein,
Ich lieb dich allein.
Mika. Ja, ich will die deine ſeyn,
Hier die Hand, ich ſchlage ein,
Ich lieb dich allein.
Barz. Sagſt du ja! —
Mika. Ich ſage ja! — |
Beyde. So ift der Hochzeittag auch da. —
Barz. Du wirſt mein Weibchen, ich werdepapa —
Mika. Ich werd' bein Weibchen, und werde
Mama —
Barz. Fiat experientia! — (Pirokko kommt.)
Bey de. (luſtig) Gib die Hand wir ſchlagen ein
g Und lieben uns alleine
D Sie⸗
2
85 Das Sonnenfeſt der Braminen: ,
Siebenzehnter Auftritt.
(Pirokko, kommt dazwiſchen, und jagt fie auf zerſchie⸗
denen Seiten ab.)
\
Pirok. O ihr Schelmengezicht hab ich deßwegen
nauen Herrn Landsmann. fo freundlich in mein
Haus aufgenommen, daß er mir mein Weib vers
fuͤhren ſoll? Und zu dem, — was hab' ich denn
gehoͤrt von Papa und Mama werden? und noch
dazu Fiat experientia? — Nur Geduld! ich ver⸗
ſteh' auch Latein. — |
Die Katze läßt das Mauſen nicht,
Die Weiber naſchen gern,
Und ſuchen oͤfters ein Geruͤcht,
Bey andern fremdem Herrn, trallala la!
Der Eheſtand waͤr zuckerſuͤß,
Fiat juſtitia!
Allein — merkts euch — vexabilis
Eſt omnis femina — frallala la! —
Ein Ehmann iſt ein armer Wicht,
Oft juckts in Capite —
Denn d' Weiber laſſen s' Naſchen nicht —
Experto credite, trailala la — (ab)
Achtzehnter Auftritt.
Eduard in des Braminen Kleidung, hernach Bella verſchleiert.
Eduard. Nun bin ich wieder hier, um einen der
wichtiaſten und gefoͤhrlichſten Plane auszufuͤhren,
— ba! wenn ich mich nicht irre — Sie koͤmmt! —
2 i (geht zurück)
Bella. Ich will friſche Luft einhauchen, die weni⸗
ge Stunden noch, die mir der Himmel vergoͤnnen
wird. — Heilige Sonne! wen ſeh ich? —
duard. (feyerlich) Geſegnete des Wiſtnu! heills
ge Tochter des drama! du weißt, welch gluͤckliches
Loos deiner wartet — willſt du ein noch zwölfmal
gluͤck⸗
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. 51
glůͤcklicheres in dieſem Leben genieſſen, ſo entſchlieſ⸗
ſe dich, we Gattinn zu werden. — |
Bella. Wie — Prieſter! ſagteſt du nicht ſo oft.
daß es kein groͤſſeres Gluͤct gaͤbe, als fuͤr Drama
zu ſterben? —
Eduard. Ueberlaß dieſe hohe Ehre einer deiner
Geſpielinnin, —
Moch iſt fie nicht verbluͤht, die Roſe —
Noch wartet deiner namenlofe
Ruh und Zufriedenheit! — f
Noch ſchmecheſt du der Jugend Freuden
Und kenneſt nicht des Lebens Leiden
Und ſeine Bitterkeit — f
Zu retten dich — ſey meine Pflicht —
Nein, Mädchen! — nein — du ſtirb ſſenicht.
Entſchleiere dich, ſchoͤne Bella! b
Bella. Das Geſez fodert aber, mein Geſicht nicht
mehr vor menſchlichen Augen aufzudecken. —
Eduard. Wie? Fennft du nicht die heilige Wuͤr⸗
de, die ich begleite? — bin ich nicht Bramas ober-
ſter Diener einer, der befugt iſt, alles, was pro⸗
fanen Augen entzogen iſt, mit Wuͤrbe und heiligem
Anſtand zu begaffen? —
Bella. Ich befolge deinen Willen, f mmer Prie⸗
ſter! (fe wirft ihren en zurück, erkennt Eduard.)
Himmel! ich bin verloren! —
Eduard. Folg mir in deine Hütte, dert will ich
dir die Abſicht dieſer Vermum n ug entdec en.
(mit ihr ab, wie er an der Chüre iſt, bebe er Barzalo.)
Ich werde bir ſogleic) folgen.
Neunzehnter Auftritt.
Garzalo fiebt ſich furchtſam um, in der Ferne Eduard.
Barz. Er iſt doch fort, der im vertinente Kerl!
es geſchieht mir aber rect, worum muß ich wich
ouch in „ede Schürze verlieben, — alle Wetler! wer
ill das?
8 . Ed ua ro.
25 Das Sonnenfeſt der Sraminen.
Eduard. (mit Ceremonien) Zwoͤlfmal Vortreflicher,
und zwoͤlfmal Gluͤcklicher. —
Barz. (ſieht ſich um) Um Vergebung, meinen Sie
mich? —
Eduard. Ich wuͤnſche dir durch zwoͤlfmal zwoͤlf
Heil — Gluͤck — und Friede! |
Barz. Gehorſamer Diener! wenns mich angeht —
reeiproce! (bey Seite) s' Beſte wird feyn , ich geh'
da meiner Wege. —
„ Bleib', ich habe noch viel mit dir zu
reden. —
Barz. Mit mir? mit Erlaubniß, frommer Herr!
aber ſie werden ſich an der Perſon irren — N
Eduard. Du biſt doch Barzalo ?
Barz. Der bin ich — wenn ſie mir aber etwas
anangenehmes zu fagen haben, fo bin ichs nicht. —
Eduard. (eben ſe) Im Namen des groſſen Brama—
Barz. (macht alles komiſch nach) Erlauben Sie,
ich hab von jeher wenig Connoiflance mit groſſen
Herren gehabt, — ich kenn den Herrn Brama nicht. —
Eduard. Im Namen deines Herrn melde ich dir
die entzuͤckende Nachricht, daß du heute noch vor
Sonnenuntergang geſchlachtet, und deine Gebeine
zur Ehre des groſſen Brama verbrannt werden ſol⸗
Barz (ſieht ihm lange an) Hören Sie! — ich laß
mirs nicht nehmen, ſie muͤſſen ſich an der Perſon
irren. — Ich bin ein Spanier, der die Methode
gar nicht kennt, ſich ſchlachten oder verbrennen zu
la en. 75
1 Und doch — es iſt der Wille des Brama.—
Barz. Ich“ bitt aber noch einmal um Vergebung,
den Herrn Brama hab' ich gar nicht die Ehre zu
kennen, — hab auch in meinem Leben noch kein Mo⸗
natgeld von ihm bekommen. — '
Eduard. Dein Herr beſiehlt aber, dich zum hei⸗
ligen Opfer anzuſchicken. —
Barz. Mein Herr kann befehlen, mich zur Reiſe
anzuſchicken, aber was das heilige Opfer anbelangt
— da weiß er ſo wenig davon „ als ich.
ein Singſpiek in zwey Aufzügen. 35
. Köuard, (gibt ſich zu erkennen) Wenn er dich aber
darum bittet. —
Barz. Alle Donnerwetter! was if das? Beym
Ritter Don Quichote fie ſinds! — Was Henkers!
machen fie denn in dieſer Vermummung? 2—
Eduard. Folg mir in dieſe Hatte, dort will ich
dir meinen Plan entdecken, heute ſoll noch ein Maͤd⸗
chen geſchlachtet wer den, und du ſollſt dich ſtatt ihr
zum Opferaltar fuͤhren laſſen. —
Barz. Wer — ich — ſtatt ihr zum Opferaltar?
Ich empfehl mich — (will fort)
Eduard. Und wohin willſt du?
| Barz. Nach Spanien — geradenwegs nach Ma⸗
rid. 5
. Eduard. Biſt du nicht in meinen Dienſten ?
Barz. Ja, aber s' Verbrennen laſſen haben de
in ihrem Kontrakt vergeſſen. —
Gduard. Ich bezahle dir aber 1090 Duplonen. —
Barz. Ich dank, die 1099 Duplonen müßt ich
ohnehin gleich meinem Univerſalerben vermachen.
Eduard. Ich geb' dir mein Ehrenwort, Lord Jans
ſen und ich retten dein Leben. —
Barz. Erlauben Sie — Sie koͤnnten um ein vaar
Minuten zu init kommen. — Nein — ich ad! —
(will fort)
Eduard. Eiese eine Piſtole) Barzalo!
Barz. Aber lieber, beſter gnaͤdiger Herr! ſo ſeyns
nur vernuͤnftig! —
Eduard. Dieſe on endet dein Leben, wenn
du mir nicht ſchwoͤrſt. —
Barz. Leib und geben — aber nur das nicht,
daß ich mich ſoll verbrennen laſſen. —
Eduard. Folg mir in dieſe Hütte, — dort war⸗
tet deiner die thaͤtigſte Belohnung! (ab)
Barz. Ich haͤtt aber den Teufel von der thaͤtigen
Belohnung! — Aber ſo iſts, wenn man bey einem
verliebten Herrn dient! — Schlachten — Verbren⸗
nen — und zuletzt vielleicht gar noch aufhaͤngen. —
D 3 Ich
r
34 Das Sönnenfeft der Braminen,
Ich dank für diefe Ehre,
Mein, wahrlich nein — ich wöͤre
Ein rechter Dummrian —
Mich ſchlachten laſſen — mich verbrennen laſſen?
Ey — wißt nicht — warum?
5 Ich dank fuͤr dieſe Ehre,
ein, wahrlich nein — ich waͤr —
Ein rechter Dummrian. (ab)
Zwanzigſter Auftritt.
(Pamelnhain. Kaſtell. Laura kömmt, hernach Eduard.)
Laura. Bald verfliegen, wie ein Dunſt — meine
finſtere Fankaſtebi lder, — ein nrächtiger Strahl von
Hofnung erfaͤllt meine Seele. — Ich hab ihn ae:
ſprochen meinen Eduard! — Der Gouverneur haͤlt
ihn für meinen Bruder, — o ſo werden auch wies
der nach der ſchmerzlichſten Trennung die gluͤckli⸗
chen Tage meines Jugendlebens erſcheinen? —
Finale.
Einſt war ich froh mit ihm allein,
Da wiegte mich in Träumereyn
Das ſüuͤſſe Lied der Nachtigall
Und ihr harmoniſcher Silberſchall,
f Zu neuen Freuden ein. — ö
Eduard. (in ihre Arme) Laura!
Laura. Eduard! |
Beyde. 1 Leid und Jammer iſt verſchwunden
Unſre Herzen ſind verbunden
5 Ewig durch der Liebeband! —
Ein und zwanzigſter Auftritt.
(Vorige, der Gouverneur.)
Alle Welche Wonne, welche Luſt!
drey. ] Wenn Geliebte ſich vereinen,
Geſchwiſter
und ſich fröhlich wieder ſehn.
70 3 wey
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. 57
Zwey und zwanzigſter Auftritt.
(Vorige, einige des Hofſtaats)
Erſter. a es iſt alles bereiter —
Jweyter Der Prleſter heilige Schaar,
Wartet dein im heiligen Tempel,
Wartet dein beym heiligen Altar.
Sar. 3 Wir muͤſſen uns verſtellen
Gouv. Ihr werdet mir jetzt folgen! —
Beyde. Ja Herr! wir folgen gern. —
Drey und zwan tzigſter Auftritt.
(Vorige, Braminen ohne den Oberprieſter.)
Zum Opfer, zum Opfer! —
0 Singt Jubellieder!
Unb vom Tempel rauſche wieder
Bramas hoher Jubelſang. (Alle ab.
Vier und zwanzigſter Auftritt.
( Palmenhain. eine Grottage, welche zur heiligen Quelle
fuͤhrt. Barzallo in weiſſem Opferkleide und Schleier.)
Dirt ur Muth es ſoll dir nichts geſchehn,
Lord. auſend Duplonen find dein Lohn —
Barz (weinerlich) Laſſen ſie mich weiter gehn,
110 | Ich haͤtt' den Teufel davon.
2
drey. 3 um dich zu retten, gehn wir fort! (ab)
Barz. Ich bleibe nicht an dieſem Ort!
(allein) 5 10 der Bluͤhte meiner Jahren,
ich zum Herrn Brama fahren,
Und ich kenn den Monsieur nicht,
Weh mir, weh mir, armen Wicht.
D 4 Sant
36
Das Sonnenfeſt der Braminen,
Fuͤnf und zwanzigſter Auftritt.
(Barzalo, Oberprieſter. —)
Oberpr. Schöne Bella! du kennſt meine Pflicht,
Barz. (bey Seite) Verſtellungskunſt verlaß mich
nicht.
OGberbr. (mit Ceremonie) Tochter der Sonne!
Barz. (bey Seite) Meinetwegen Tochter des Fix⸗
ſterns !
OGberbr. Die Sonne ſcheinet über dir,
Bald iſt die ernſte Stunde hier —
Barz. Geh fort — und packe dich von mir —
Oberbr. Schoͤne Bella! rette dich, und geh den
5 Vorſchlag ein —
Barz. Nein, nein, nein! es muß geſtorben ſeyn
Oberbr. Wohlan! ſteig in die heilige Grotte,
Verſoͤhne dich mit unfrem Gotte — (Der Chor
beginnt)
Durch Bramas Baade gereinigt,
(er geht dem Biſt du zum Opfer geheiligt. — (er
Chor entgegen.)
ſteigt hinunter)
Barz. ) Adieu! du ſchnoͤde boͤſe Welt!
(weinend) ) Durch dich ward' ich fo oft geprellt
Bald plagte mich die Liebe,
Bald hatte ich kein Geld,
Adieu! du ſchnoͤde Welt!
Sechs und zwanzigſt er Auftritt.
(Der ganze Zug beginnt, um ihn zu holen. Brami⸗
nen mit Feuer. — Tänzer und Tänzerinnen mit
Schel⸗
ein Si ntfpiel in zw ey Aufzügen. | 37
Schellen und Tamburins. Der Gouverneur mit dem
Hofſtaat. Leibwache. Laura mit dem Gouverneur.)
Gberbr. ) Gesegnete der Sonne!
geht an 2 Barz. 3 Ich komm ja ſchon — /ſchaut heraus,
die Grotte 3 wie er aber ſo viele Menſchen ſieht,
verkriecht er ſich gleich wieder.)
Gberbr. Wirſt du bald zu Ende ſeyn?
Barz. Ich bin ion wie Schnee fo rein.
Chor. Zum Opfer! zum Opfer! ꝛc.
Singt Jubellieder,
Und vom Tempel rauſche wieder
Bramas hoher Jubelſang! (alle im
feyerlichen Zuge ab.)
Sieben und zwanzigſter Auftritt.
(Der Tempel der Sonne. Durch eine lange Colonna⸗
nade ſieht man unter blitzenden Sternen das Symbol der
Sonne. Indianiſcher Opferaltar mit dem heiligen Feuer.
— Dpferbinde und Opfermeſſer. Oberprieſterinn; Prie⸗
ſterinnen mit RNauchfäſſern.) |
Alle. Rein, wie die Sonne, fey erlich heilig —
Iſt das Werk, das wir beginnen —
Wir erkohrne Prieſterinnin 5
Brama eingeweiht —
Oberprieſterinn indem) Ich beginne das Werk —
das heilige Feuer an⸗ Es ſteige die Flamme empor !
gezündet wird. ;
9 3 Rein, wie die Sonne ec.
Acht und zwanzigſter Auftritt.
Voriger Zug, die Tänzer machen komiſche Patomimen
gegen das Opfermädchen. Alle bringen Sasente Gs ld⸗
ſtangen, Goldſtoffe und dergleichen.
D 5 / Chor-
8 Das Sonnen feſt der Braminen,
Chor.
Heil und Gluͤck der Siegerinn;
Ihr iſt die Krone der Ehren —
Heil iſt ihr Gewinn.
Barz. (weinend) Weh mir, jetzt ſoll ich ganz allein,
Am dieſem Ort tray ſchiret ſeyn.
(Der Chor beginnt.)
Die Prieſterinn und Prieſter, machen einen halben Zir⸗
kel um Barzalo, die Oberprieſterinn bindet ihm einen vor
Then Gürtel um den Leib. Er wird vor den Altar ges.
führt. Die Oberprieſterinn beiliget das Meſſer, die KAna⸗
ben halten ein goldenes Gefäß. Unter dieſer feyerlich en
Muſik fällt alles auf das Anlitz.—
Oberbramine (mit heiligem Anſtand) Brama! herr—
lich groſſer! unendlich ewiger! groß biſt du, wenn
du Welten wie Saamkoͤrner ausſtreueſt, wenn du
die Sonne, Mond und ihre Sterne als Bilder
deiner Groͤde mit unermeßlicher Allmacht auf ihren
Wega ſchleuderſt — Brama erhoͤre uns!
Donner und Blitzen. Das Symbol verfinſtert fi.
Hinter demſelben hört man die Worte von Bella)
Bella ſoll leben, durch ein Wunderwerk,
Ihr iſt das beben gegeben! (Man hört Degen⸗
geklirre, Lärmen. Alle ſtehen auf in Verwirrung.
Brama! was it geſchehn? —
Wir find verloren —
Was haben wir geſehn! —
Letzter Auf tritt.
Die Tempelthüren werden eingeſtürzt. Janſen und Eduard
mit Europäern. — — Alle mit bloſen Klingen ‚die fie
aber zur Erde geſenkt tragen.
Heil und Friede mit Euch —
Bruͤder eines Gottes!
Ale. Was iſt hier vorgegangen,
Wir alle ſind gefangen,
Wie wird es uns ergehn? —
U
Eduard.
P
Hl
nn Durch einggunderwerf, ſchuf ſie Brama unt,
ein Singſpiel in zwey Aufzügen. 59
Eduard. Habt ihr gehoͤrt bie heiligen Worte —
Bella fol leben! —
Janſ.) Wir Abſtämmlinge eurer Gottheit
Edu. ) Sind geſandt, die Unſchuld zu retten —
Eduard. Verlangt ihr dies Opfer zum Weibe?
Bherhbr. Ja! —
Eduard. Seht fie einmal an,
In einen Mann —
Alle. Hilf Bramı! welch ein Mirakel!
Barz. Hilf Himmel! welch ein Spektackel!
Bella. (kommt) Vater!
Alle. Hier Bella!
Fal. Meine Tochter!
Lord. Um dir die Freude zu vergroͤſſern 1
So nimm hier deinen Sohn! —
Kal. Meinen Sohn? —
Edu. Ich fein. Sohn?
Cord. Als wir vor 20 Jahren
Auf dieſer Inſel waren,
Stahl ich dir deinen Sohn,
Nimm ihn zuruͤck! — (Umarmung)
du. Vater!
Bal. Mein Sohn!
Bella. Bruder! |
Sour. Sein Sohn! 5
lle. Sein Sohn! —
Gouv. (fie geben ſich die Hände)
Ewige Freundſchaft ſey uns heilig —
Laßt uns als Bruͤder, einander lieben —
Hand in Hand — Ewig daure dieſes Baud!
Chor wird wiederholt.
Souv. In Freudenvollen Choͤren,
Gott Brama zu verehren
Steig unſer Jubel empor —
Alle. Brama iſt verſoͤhnt —
Gouv. Auf ehret die Verbruͤderung!
a ehret Menſchenhuldigung!
Alle.
60 Das Sonnenfeſt der Braminen,
Alle. Wir ehren die Verbruͤderung!
Und ehren Menſchenhuldigung!
2 Gruppe von Allen.
Das Divertiſſement faͤngt an —
Ende des Singſpiels.
|)
N |
1% yo D e 8
N IRB 11
un An Idige Betrug,
auf dem Land kennt man die Rache nicht.
| Eine laͤndliche Operette in einem Aufzug,
5 fuͤr die
Narinelliſche Kinderſchule⸗
N \ |
5 7 9 557 170 14% m
Herrn Leopold Huber,
der Handlungswiſſenſchaft Befliſſenen.
Die Muſik iſt
von
Herrn Ferdinand Kauer,
Lehrer der Singſchule.
DIN, i e n,
gedruckt mit Schmidtiſchen Schriften, 1790.
Namen
der ſpielenden Kinder.
|
+
Graf Dornwall. Jak. Reiſenhuber.
Amalie, ſeine Braut. Joh. Haͤndel.
Moritz, ein herrſchaftl. Jaͤger. Georg Gruber.
Niklas „Tiſchlermeiſter. Karl Eee.
Marthe, ſeine Frau. Joſ. See.
Röschen, feine Tochter. Eva Kiendl.
Bernhardt, Tiſchlerunge. Seb. Gruber.
Johann, Bedienter. | Joh. Händel,
| | N
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Pr
J 100 % Fi E
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a an ı 85 mem *
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Erſt ‚ef Aufzug.
Erſter Auftritt. |
Straße mit Häufern und Bäumen verſetzt. Köschen — hinter
ihr Bernhard.
Röschen.
. geh mir aus den Augen
Du dummer Bube du!
Bern. Was ſoll dein Laͤrmen taugen
Ich laß dich nicht in Ruh — (Sie BR
ER ihn zurück.)
Rös. Geh — laße mid —
Bern. Ich laß dich nickt —
5 Bern. Se) laß dich nicht in Ruh
NER Du — liebes Röschen du!
zugleic)] Res. Gch Icke wich in Ruh,
Du dummer Bube du!
Bern. (weint) Ach weid ein Schmerz
Mein armes Her.
Brennt lichterloh — hi — bi —
a Ros.
— —
0
64 Der Unſchuldige Betrug,
Rss. (ihm nachäf:) Du armes Herz!
fend lacht) Ach welch ein Schmerz
Du brenneſt lichterloh haha
Bern. (kniend) Ich ſterb zu deinen Fuͤßen,
Rs. Geh — laße mich in Ruh —
Bern. Liebs Roͤschen! laß dich kuͤßen,
Rs. Du dummer Bube du! |
Zweyter Auftritt.
Vorige. Dornwall.
Dorn. Was wiliſt du hier, was machſt du da?
1 Geh — packe dich von hier — |
Bern. Ich gehe nicht — ich bleibe da
(zu Rös.) Ich bleibe gern bey dir —
Ros. Geh immer fort —
Graf. Marſch — packe dich -
E EN Geh — packe dich von hier —
. Bern. Nein — nein — ich bleib bey dir —
75 ( Dornwall zieht feinen Hirſchfänger.) |
Fort — fort mit dir — ſonſt ſchick ich dich
Sogleich mit dieſen Meßerſtich
Hinunter in die Hölle. —
Bern. Au weh hihi — ich gebe ſchon —(ſchluchzt)
(Graf. Du bum̃er Jung — Spott iſt dein Lohn
lachen Rös. ha ha — ha ha —
(Bern. weinend ab.)
Dritter Auftritt.
f (Rös. ihm nachrufend) Du Gimpel du! Ja! —
meinſt du? ſchoͤnen guten Tag — wurde wohl nicht
recht klug ſeyn, we un ich noch an dich denken woll⸗
te, da ich jetzt in die Stadt gehe, und mit Ehren
zu melden — (mit einem ländlichen Knikß gegen den
Grafen.) eine vornehme Dame werden fol. —
Dorn. Ja — Röschen! du gehſt zit mir in die
Stadt. —
Roͤs⸗
—
*
eine ländliche Operette in einem Aufzug. 65
Rösch. O das iſt ja allerliebſt —
Dornw. Ich erhielt geſtern die Nachricht von eis
nem meiner Freunde, daß Amalie meine verſproche⸗
ne Braut o ſehr durch die Blattern verunſtaltet were
den, daß fie gar nicht mehr zu kennen waͤre. —
Rösch. Nun — wird ſte wohl recht garſtig ausſe⸗
hen? nicht wahr, Herr Graf!
Dornw. Sie fol ſich auch ſchon entſchloſſen haben,
gar nicht mehr zu heurathen. Nun bin ich alſo wieder
ganz frey, und wie ſehr freue ich mich, daß ich es
bin, um nur fuͤr mein liebes, ſchoͤnes Roͤschen leben
zu koͤnn en. |
Rösch. (unſchul dig) Ja — wenn es ihnen nur auch
Ernſt dabey iſt „ denn, hoͤren Sie, mit derglei⸗
chen Sachen muͤßen Sie nicht ſpaßeln. —
Dornw. Der Himmel bewahr —
Rösch. Es iſt alſo ganz richtig, daß Sie mich
zur Frau Graͤfinn machen wollen —
Dornw. Allerdings — du gehſt mit mir in die
Stadt — nur mußt du huͤbſch artig und huͤbſch folg⸗
mu MR. 7
Rösch. Das verſteht ſich — wenn man einem eis
nen Gefallen erweiſt, fo muß man ja wieder wels
chen erweiſen, — aber was ich doch fragen will,
fagen fie mir Herr Graf ! gibt es denn noch
mehr vornehme Damen in der Stadt, die vorher
Bauernmaͤdchen waren — —
Dornw. Freylich wohl — ſetz dich daher, und hoͤr
einmal, was ich dir erzählen will — (ſetzen ſich)
Es war einmal ein Maͤdchen,
Die hatte groſſes Gluͤck,
Es gieng vom Land ins Staͤdtchen
Voll Unſchuld war fein Blick
Und 16 Jahre war es alt
Die Wangen roth und weiß gemahlt —
Rösch. (Springt auf, mit einem Kniks.) Mit Er⸗
laubnitz, ich bin auch erſt 16 Jahre und 3 Mo⸗
nate alt — 8
Dornw. Hoͤr nur weiter, Roͤschen
8 Kam
66 Der unſchuldige Betrug,
Kaum war es in den Staͤdtchen
So giengs bald her und hin —
Willkommen, ſchoͤnes Maͤdchen!
Sie nahmen es am Kinn —
Und brachten es —huſch—huſch— fort —fort
An einen fihern Freyheitsort —
Rösch. (lacht aus vollem Hals) ha ha — ha ha —
das iſt ja allerliebſt — wenn ich doch nur ſchon
in der Stadt waͤre.
Dornro. So hir nur — jetzt kommt das beſte —
e (fie ſtehen auf.)
Nun laͤßet ſie ſich tragen
Als gnaͤdige Frau von Haus,
In einen goldnen Wagen f
Und lacht die andern aus —
es (giebt ihr einen Kuß, geht ab.)
Rösch. Wahrhaftig, das muß ja ein Leben wie
im Paradiß ſeyn — (ſtolz) und da ſollte man ſich
hernach noch ſo ſchmuzig machen, und an einen von
den einfältigen Bauernſungen denken ? der Him⸗
mel bewahr! nicht einmal der Jaͤger, der mir doch
im Dorf der liebſte war, ſoll in die Zukunft etwas
anders als ein freundliches Kopfnicken von mir
erhalten. — 8
Vierter Auftritt.
Köschen Bernhard. trocknet ſich die Augen, und ſchluchzt.
Bern. Aber — Röschen! liebes goldenes Roͤschen!
was treibſt du? Eben da hab ich mir vorgnom⸗
men, dich zu vergeßen — aber — es iſt mir uns
moͤglich — e
Rösch. Vergiß du mich immerhin, mein lieber Bern⸗
hardt — ha — ha — ha —
Bernh. (eben ſo) Kannſt — kannſt denn du ſo grau⸗
fam ſeyn — hei ſchau — dein Vater und Mutter
baben mirs ſchon von der Kindheit an verſprochen,
daß du mit der Zeit mein Weibchen werden ſollſt, und
jezt — bi hi hi — (ſchluchzt laut.)
5 f Röôsch ·
eine ländliche Operette in einem Aufzug. 67
Rösch. So ſey nur nicht ſo einfaͤltig — ich bin
dir ja gut, recht gut — aber mein Gluͤck kann ich doch
nicht mit Fuͤßen treten. |
Bernd. (eben fo) Bin ich denn aber nicht mehr
ſo ſchoͤn als wie vor vierzehn Tagen — bin ich
denn nicht mehr dein lieber Bernhardl — Schau —
dein Vater will mir mit der Zeit s' Tiſchlerhand⸗
werk übergeben, das hat er geſagt — dann bin ich
Meiſter, dann heißt man mich den Meiſter Bern⸗
hard, und du heißt die Frau Bernhardin —
(Köschen lacht) Nicht wahr — das gefällt dir ſchon
wieder, weil du lachſt — .
Rösch. Ich, ha ha ha — ich die Frau Bernhar⸗
dinn! Geh — (ſchlägt ihn auf die Stirn) dir faͤllts im
Kopf — du weiſt vielleicht noch nicht, daß ich in
die Stadt gehe — 7 f 08
Bernh. Du in die Stadt —
Rösch. Und eine vornehme Dame werde —
3 Bernh. Du eine vornehme Dame? bu (weinerlich)
ezt geh — ; \
Resch. Nun — und warum? Ich werd ja eine
Frau Gräfin? 5 |
Bernh. Eine Frau Graͤfin —
Rösch. Wie manches Maͤdchen in der Stadt,
Hat ſchon ihr Gluͤck gemacht —
Da gibt es ſchoͤne Herren, die
Uns lernen, wie man kuͤßt —
Dort gibt es keine Gimpel, wie
Herr Bernhard einer iſt —
Dort kuͤßt man ſich ganz oͤffentlich
Spazirt bald hin bald her —
Dort nennen Sie Euer Gnaden mich
Und hier kaum Jungfer mehr — (ab.)
Fuͤnfter Auftritt.
Bernh. (ſieht ihe nach) Sappermoſt! was hab ich
da gehoͤrt — mein Roͤſchen gnaͤdige Frau — und was
erſt für u'gnaͤdige Frau? Aha — jezt merk ich erſt,
warum der Herr Graf, ſo um ſie herum gegangen
82 iſt ag
a
68 Der unfhuldige Betrug,
iſt — Ich ſags ja — Gott verzeih mir die Suͤnd,
wenn die Stadtherrn nur des Jahrs einmal zu uns
aufs Land kon men, ſo verruͤcken Sie unſern Möd-
chen die Köpfe fo ſehr, daß man fie nicht mehr
zurechtbringen kann. Aha — da komt auch fo ein
verliebter Gimpel wie ich bin — dem muß ich aus
dem Wege gehen — (geht rückwärts)
Sechſter Auftritt.
Moritz eiue Flinte auf dem Rücken (traurig)
Wie ſo ſchoͤn und wie ſo herrlich
Dort die Morgenſonne ſteht
Und ich Armer leide kaͤglich
Wenn ſie auf und niedergeht,
Glücklich! wer befreyt von Sorgen
Bald die Luſtgefilde ſieht,
Wo am Auferſtehungs Morgen
Ihm ein ewiger Fruͤhling bluͤht.
. KZernb. (kommt herfür) Servus — Servus Mon-
ſleu Moritz — warum denn fo verdrußlich? hat
er auch ſchon von dem Epecktakel gehoͤrt mit dem
Blitzmaͤdchen — Nicht wahr — wir find halt jezt alle
beyde geprelt —
Moritz. Laß mich mit deinem unnuͤtzen Geſckwaͤtz.—
Bernh. Ja — ja — Es iſt halt nicht anders —
von unſrer gemeinſchaftlichen Jungfer Braut krigt
weder ich noch er ein Huͤnneraͤugel, will geſchweigen
ſonſt was — das Maͤbchen geht in die Stadt —
Moritz. In die Sadt, ſagt du —
Bernh. (nachäffend) In die Stadt, ſag ich — und
wird eine gnaͤdige Frau — ö
Moritz. Eine gnädige Frau —
Bernh. Eine gnaͤdige Frau.
Nroritz. Iſt es moͤglich? ſoll es wahr ſeyn — ha —
das fehlte mir noch zu meinem Ungluͤck — daß
doch die Reichen mit ihrem Gelde das Recht zu
haben glauben, jede Unschuld zu verführen, und
der
0
eine ländliche Operette in einem Aufzug. 69
der Tugend zu hoͤhnen — Ja — ich will ihn auf⸗
ſuchen, will ihn an die Schwuͤre erinnern, die
er Amalien ſchwar — will ihm ſagen, daß ich ſie
liebe — und raͤhrt ihn nicht mein Flehen — entreißt
er mir die Geltebte — ha — fo iſt für mich 915
jede Freude meines Lebens — Ich will ſterben, S
ſoll mich bald im kuͤhlen Grabe beweinen (ſchnell 5
Bernh. (ſteht ihm nach) Der Menſch iſt ja naͤrriſch
— 35 ſeh das Maͤschen auch gern, das iſt wahr,
aber fo weit laͤßt ſih der Bernhard nicht ein,
daß er deßwegen naͤrriſch wird, das laß ich wohl
bleiben — (Baufe) Es iſt doch aber ein kurios Zeug
um die Liebe — den einen macht fie traurig, den
andern luſtig — Vorhin hab ich geweint, und 5
muß ich lachen — ha = ha — ha —
Die Liebe macht blind,
Verfliegt wie der Wind —
Sie würbelt im Köpfel
Und beutelt das Schoͤpfel
Da beißt es im Herzen
Da fuͤhlen wir Schmerzen —
Da geht es — Klop — Klop —
Huſch — huſch — hop — hop — hop —
D-Riebe — o Liebe! verflieg wie der Wind,
O Liebe — o Liebe! ach! mach dich doch
blind. (ab)
Stebenter Auftritt.
Werkſtatt (Hobelbanck) Niklas hobelt — Marthe ſizt am
Rädchen, und ſpinnt.
Niklas. Nur Geduld — werd dem Mädel ſchon
die graͤfliche Gedanken aus dem Kopf hinaus ho—
beln — kommt ſie mir nur in Wurf, werd ihr zeigen,
wer Herr im Hauſe iſt —
Mart. Aber, ſo bedenk doch, lieber Niklas —
Niklas. Halts Maul, ſag ich — will nichts von
dir wiſſen — hab mein Sean ghoͤrt, ihr ie
3
750 Der unſchuldige Betrug,
ber ſeyd nie dummer, als wenn ihr ums lieben
Herrgottswillen geſcheid ſeyn wollts, meine Toch⸗
ter, meine einzige Tochter, eine Graͤfinn — ja,
ja — er wird aus dem Bauernmaͤdel eine ſaubere
Gräfinn machen, kann mirs vorſtellen. —
Marthe. Du haſt aber doch gehoͤrt, wie er mit
lauten, klaren Worten geſagt hat, daß er ſie zur
Frau machen, und ſie dann ins Himmelsnamen
heirathen wird — nicht wahr?
Niklas. Das fagen fie alle die Männer, und
waͤren Narren, wenn ſie nicht ſo ſagten; — kurz,
und gut — es wird nichts draus. :
Marthe. Unſere Tochter wird ja wohl nicht die
erſte ſeyn, die von einem Bauernmaͤdchen zu einer
gnädigen Frau avanſtrt. d
Niklas. Wenn du ſie verheirathen willſt, gieb
ſie dem Jaͤger, — iſt er nicht ein ſtiller, ordentli⸗
cher Menſch — er liebt das Mädchen — das Maͤdchen
liebt ihn wieder — ergo zuſamengebandelt ins
Himmelsnamen. — 1
Marthe. (ſtebt auf) Was! den Jaͤger — der kei⸗
nen Kreutzer Geld im Vermoͤgen hat. — Wird
ſie da nicht beſſer fahren mit unſrem Vetter
Bernhard, der doch 1000 fl. baares Geld hat. —
Niklas. Das doch das Geld bey euch Weibern
immer den Vorſchlag thun muß. — Der Kerl if
aber fo dumm wie ein Hobelſchatten. — Kurzum —
da wird nichts daraus — ſag ich. — N
Marthe. Mit Geld laͤßt ſich die ganze Welt
regieren, wie man will-
Er. Und ich verkaufe nicht fuͤr Geld
Mein Maͤdchen — wie man will —
Sie. (ibn ausſpottend) Ey, ey —
Er. (ihr nachäffend) Ja, ja —
Zugleich. Sie muß eine Dame ſeyn —
Nein — das gehe ich nicht ein.
Sie. Du Grobian! Er ey, ey —
5 (Er kommt mit dem Hobel hervor)
Sie. Du Dummrian! 1
Niklas.
eine ländliche Operette in einem Aufzug, 51
Nik las. Mein, mein -
Sie. Wer hat hier zu befehlen?
Er. Ich bin der Herr im Haus —
Sie. Du — ? ha, ha, ha — \
„ wielas. J Ich hab hier zu befehl en
wall grarrhe.) Ich bin 195 8 von Haus.
Sie. Du — 0 = ö
Er. Ich — ja ich —
Marthe. Ich kann herum rebellen
und werfen dich hinaus —
Niklas. Hinaus?
Sie. Hinaus — ja ich —
50 6 Niklas. Und werfen mich
NN Marthe Und werfen dich hinaus —
14 Mich — dich — ja dich —
Niklas. (will zuſchlagen.) 8 8
Fort, fort von dieſem Ort
Sonſt wirſt du bald erſehn,
a Wie es dir wird ergehn. —
Marthe. Du boͤſer Mann! \
Niklas. Geh — packe dich —
Marthe. Sie muß eine Dame ſeyn —
Niklas. Nein, das geh' ich nicht ein —
Marthe. (Ja — Nein — n
(Ja ja — Nein nein. — (er jagt fie davon)
Achter Auftritt.
(Niklas allein, trocknet ſich das Geſicht ab.)
Miklas. Das iſt ein Kreuz und ein Elend, wenn
man ein Weib hat, die immer Nein ſagt — und
ich ſags immer, wem unſer lieber Herrgott ein
ſchoͤnes Mädchen zur Tochter beſcheeret — bey dem
geht der liebe Hausfrieden ſpazieren. — N' vorneh⸗
me Dame? ha, ha, ha, ja — was fuͤr n' vorneh⸗
me Dame — ich kenn ſchon die Afferien — gebor⸗
, famer;
N
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53 Der unschuldige Betrug,
ſamer Diener! (zieht ſeine Mütze.) Ich weiß, wie es
in der Stadt zugeht —
Da ſtreichen die Herren
Wie Kater herum,
Man darf es nicht wehren
Sie ſchern ſich nichts drum —
Sie ſtehn auf den Gaſſen,
Spaziern auf ben Straſſen
Und rufen — br — bßt —
Da ſcherzens und ſchmeichelns,
Da herzens und ſtreichelns —
Die Madchen —und nehmens am Kinn —
(parlando) am Kinn — am Kinn — |
O weh — ſo iſt aich ihre Ehre und Tugend dahin.
(ab in die Seitenthür.)
Neunter Auftritt.
(Graf Dornwald, hernach Moritz.)
(Sieht ſich um) Hier auch nicht — wo ſie doch
ſtecken mag? Vortreflich! alles geht nach Wunſch.
— Morgen ſoll ſie der Friſeur und die Putzhaͤnd⸗
lerin in eine Grazie umſchaſſen, daß fie durch ihre
Außeren Reitze mancher Staatsdame uekdiſches Hohn⸗
laͤcheln über ihre Geburt unterdruͤcken fol.
Morig. Ich hoͤre, Fuer Gnaden werden morgen
ſchon abreiſen —
Dornw. Ja — ich eie 0 er — bleibt hier —
Noritz. Werd ich Euer Gnaden nicht begleiten? —
Dorn ro. Nein 5 7
Moritz. Ich hoffe doch nicht, daß Euer Gnaden
auf mich ungnaͤdig —
Dornw. (ſchnell) Koͤnnte moͤglich ſeyn? (pauſe)
Er hat ja vorhin zu Roͤschens Vater geſagt, daß
ich ſeine Tochter nicht heirathen wuͤrde —
Moritz. (entſchloſſen) Ja — Euer Guaden —
Dornw. Und warum das?
Moritz. Weil ich das Mädchen liebe — und wei
)
eine laͤndliche Goerette in einem Aufzug. 73
ich gewiß weiß, daß Euer Gnaden Röschen nicht
heirathen werden —
Dornw. Weiß er das fo gewiß?
Moritz. Euer Gnaden verzeihen — ich hoͤrten, daß
Euer Gnaden ein verſprochener Bräutigam einer ge⸗
wiſſen Fraͤulein Amalie —
Graf. Das ſollte wohl die geringſte Hinderniß
ſeyn. — Ich erhielte geſtern einen Brief vom Graf
Luft, daß meine geweßte Braut ſo ſehr von ihrer
Krankheit geſchwaͤcht, ſo ſehr durch die Poken ver⸗
unſtaltet worden, daß ſie nun ſelber ale Gedanken
an unſrer enge aufgegeben hat, — und zu dem
— er weiß, daß ich dieſe Mariage ohnehin nur
wegen meiner Familie —
N Al Ader Euer Gnaden! ich liebe das Maͤd⸗
en. — g
Sraf. Er fol Sie auch erhalten — aber alles
mit der Zeit — hier — (gibt ihm feine Börſe) dieſes
indeſſen zu feiner Entſchaͤdigung — Roͤschen geht
mit mir in die Stadt. —
Maori. (hält den Beutel in der Hand) Euer Gröfl.
Gnaden! ich bin arm — meine Eltern hinterließen
wir nichts als Ehrlichkeit und meinen guten Na⸗
men — ich dürfte nur dieſe Baarſchaft vorzeigen,
und Roͤſchen wäre vielleicht mein auf ewig. Aber
nein — fuͤr dieſen Preiß verkauf ich mein Her; noch
nicht. — Hier — Euer Gnaden! (gibt ihm die Börſe zu⸗
rück) jeder Heller, der in dieſer Boͤrſe verwahrt iſt,
wuͤrde mich einen Schurken nennen — und ich danke
Gott, daß ich noch nicht fo tief geſunken bin, für
paare Münze ein Schurke zu werden. (ab)
Graf. Dummer Junge! der du noch nicht den min⸗
deſten Grad von Weltſitte kenneſt. — Hat doch ſchon
fo oft dieſes Metall mit feiner lieblichen Melodi
Mund und Ohren verſtopft, und gerade jetzt ſoll es
mir feines Wirkung verſagen?
E Zwey⸗
24 Der unſchuldige Betrug,
Zweyter Auftritt.
(Graf, Bernhard außer Athem.)
Bernh. Herr — Herr — Herr Graf!
Graf. Nun — was willſt du fo eilig?
Bern. Roͤschen — der Meiſter — die e —
und Röschen — ich kann nicht reden —
| Graf. Was iſt denn gefihehen ?
Bernh. Genug — mit dem Stadtgehen — und
mit der gnaͤdigen Frau — und mit dem ah
— und mit der ganzen Paſtette iſts nichts. —
Graf. Wie das? was ſagſt du?
Bernh. Der Meiſter ſucht allenth alben Roͤschen
— er will fie ei nierte, bis ſte fort ſind — und
dann ſoll fie der Jager heurathen — und ich und
der Herr Graf waͤren dabey geprellt -
Srak. (leiſe) Das wär ja ein fataler Streich,
der alle meine Plane zu Boden ſchluͤge, — (laut)
far du mir Bernhard! kennſt du das Ding da —
(zeigt ihm feine Börſe) k
Bernd, Und warum nicht — das heißt man in
meinem Land Geld. —
Graf. Und dieſe volle Boͤrſe geb ich dir, wenn
du mir verſprichſt. —
Bernh. Fuͤr all das Geld verſprech ich Euer Gna⸗
den Leib und Leben. —
raf. Mir auf die Nacht behuͤlflich zu ſeyn,
Röschen zu entführen. —
Bernh. Zu entfuͤhren? (ſich beſtnnend) Warum den
nicht — Von Herzen gern.—
Graf. Hier — komm mit mir — ich will dir mei⸗
nen Plan entdecken, — man moͤcht uns hier belaus
ſchen — Wenn Roͤschen mein wird, fo verſprech ich
dir eine noch ſiebenmal groͤßere Belohnung. (ab)
Bernh. Alſo noch ſiebenmal mehr dazu — wär ein
ſchoͤne Summe — und fuͤr das Geld ſoll ich
Roͤschen verkaufen — Nein — das thu ich nicht —
Servus — Here Graf! ich bin froßh, daß 0 5
abe.
2
eine laͤndliche Operette in einem Aufzug. 75
vab. — Meiner ſigs! ſehen die Dinger nicht aus,
als wenn fe geradenwegs von der Pfanne wegfämen
— ſo hab ich doch in meinem keben noch nicht ſo
viel Geld gehabt, und das ſchoͤnſte iſt, daß ichs
gar auf fo eine leichte Art verdient hab. —
| In der Welt, gilt nur Geld,
Dieß Metall — herrſcht überall. —
O du herzſuͤſſes Ding!
Ohne Geld, hat die Welt,
Keine Freud — nichts als Leid.
Kling — Kling — Kling Kling. —
(mit dem Beutel in der Hand ab.)
Eilfter Auftritt.
5 (Johann, Röschen.)
(Johann. ſchleicht herein.) Jetzt bin ich da — und
warum bin ich da? um zu ſpioniren, ob die tolle
Streiche wahr ſind, die mein neuer Herr unter:
nommen hat — ich hoff doch nicht, daß er mich hier
antreffen wird, das waͤr ja ein verwuͤnſchter Streich!
— — ich hoͤr Jemand draußen vor der Thuͤr. —
Röſch. (ohne ihn zu ſehen) Jetzt muß ich doch —
(erblickt ihm) Was macht denn er da — was will er!
Johann. Was — was ich will — Nichts gar
nichts — als — (zieht ſich der Thüre näher) gehorſa⸗
mer Diener. 5 |
Rösch. (viſttirt die Taſche) Er hat vielleicht hier et⸗
was eingefieft. —
Johann. Bitt um Verzeihung, — Ich haͤtt viel⸗
mehr Luſt, etwas da zu laſſen. —
Rösch. Nu was — Herr Raſeweiß. —
Johann. Eine kleine Frage — wenn ich bitten
darf — FE wohl fie Jungfer Roͤſchen, in die
mein Herr Graf ſo verliebt iſt, und die er als ein
extra Mädchen mit in die Stadt nehmen will —
Rösch. (giebt ihm eine Ohrfeige) Hier — Schlin⸗
gel! Nenn er mich nicht mehr ee Junge
er —
9
75 „ Dar unſchuldige Betrug ,
fer — heute bin noch eine Mamſell (ſtolz) Und Mor⸗
gen bin ich ſchon eine gnaͤdige Frau. —
Johann (bi ilt die Wangen) Das Handgeld haͤtt ich
ſchon. — nun das war noch ſo ziemlich ländlich ge⸗
ſorochen = (äfft ihre Stimme und Stellung nach.)
Heute bin ich noch eine Mamſell, und morgen bin
ich ſchon eine gnädige Frau- Altos Jungfer Roͤſch en darf
ich nicht mehr ſagen — nun meinetwegen — daß
doch jetzt zu der Zeit kein Maͤdchen in der Stadt mehr
Jungfer heiten will. —
Die Zeiten ſind nicht mehr
So wie vor hundert Jahren —
Wo man in Zucht und Ehr,
Sie konnte ehrlich paaren —
Heut hoͤrt man auf Baſteyn
Die ſchoͤnſte Maͤdchen ſchreyn —
Pomeranzen — zukerſuͤße, Pomeranzen —
Limoni — kaufts Limoni —
Und Morgen gehns ſpazirn
Mit Herren — die ſie fuͤhrn
In Capu on und Hut —
Au weh — wie ſtehts fo gut —
Das Ding, das hat u Hakl u Hall
O tempsra o Mores —
Die Tugend geht kapores —
Mamſell wird jetzt ſchon zu gemein,
Denn jede will nur Fraͤulein ſeyn. (ab.)
Zwoͤlfter Auftritt.
(Straße. Niklas und ſein Weib)
Marth. Jetzt komm her, lieber Niklas! laß uns
wider gute Freunde ſeyn — Was kommt bey dem
Le men heraus — nichts —
Niklas Nun — was ſag ich denn nicht immer —
Nichts und wieder nichts kommt heraus — Wenn
mir s'? Naͤdchen nicht ablaͤßt von der albernen Liebe,
ſo ſperr iſt ſie ein — und dann Far fie fi mit
dem Graf kucifer kopuliren laſſen. —
Marth.
ine lanslich che Operette in einem Aufzug. 77
Marth. Mein — mein — ſo ſey nur kein Hans
oben hinaus — Wenn du es nicht haben willſt, ſo
geben wirs hait unſerm Vetter B Bernhard.
(Bernhard kommt)
Miklas, Aber ſo ſag mir nur um des lieben Him⸗
melswi len, was ſoll fie den mit dem Einfaͤltigen
| Zuben anfangen — der Dub iſt erſt 16 Jahre alt —
verſteht noch nie vom Handwerk — kann noch keinen
een zaſammenleime n, und ſoll ſchon hei⸗
rathen —
Dreyzehnter Auftritt.
Vorige. Bernhard, trozend.
Schoͤn — fo reißonirt der Herr Petter über mich
-— ſchon recht — das will ich mir ſchon merken —
Jetzt haͤtt ich den Herrn Vetter etwas erzählt we⸗
zen dem Herrn Grefen — aber jetzt geh ich wie⸗
der meine! Wege — (will fort)
ee (halten ihm zurück) So bleib — Spizbube! |
Bernh. Nix — ich geh meiner Wege — ſo laß
ich mich nicht ſchimpfiren — ich haͤtt tem Herrn
Vetter erzaͤhlt, daß mir der Herr Graf dieſen Beu⸗
tel mit Geld — aber nein —
ne: Spitzbub! woher haſt du das viele
e —
Marth. Vielleicht gar geſtohlen?
Bernh. (mit wernender Stimme) Wer hat geſtohlen ?
geſchenkt hat mirs der Herr Graf , daß ich ihm
heute Ahends die Roͤſel —
Niklas. So red —
Bernh. Ich ſag kein Wort mehr — warum iſt
der Meiſter ſo grob —
Niklas. Wart ich will dich reden lernen —
Bernh. Ich will ja alles ſagen — durchgehen
mill er dieſen Abend mit ihr, und da haͤtt ich ihm
N dazu behuͤlflich ſeyn —
Niklae.
78 Der unſchuldige Betrug,
Niklag. Nun, da haben wirs — ſieh — Marthe!
was wir an unſrer Tochter erleben — — Jezt geh'
ich gleich zum Jaͤger — ſag ihm bas Maͤdchen zu —
und morgen am Tag iſt die Hochzeit — du Jung!
geh voran — du kommſt mir nimmer aus den Au⸗
gen, das Geld heb ich dir auf — und alle Sonn⸗
und Feyertaͤge bekommſt du einen Groſchen Necra⸗
tionsgeld Davon — fort — (ab.)
Bernh. Daß wir aber der Meiſter mit dem Mes
crationsgeld nur nicht halbirt, oder gar davon
laͤuft. (ab)
Aarth. Jezt — da betracht ein Menſch die gott:
loſen Leute — aber was will ich machen.
Was man nicht aͤndern kann
Nimmt man gedultig —
Ich lob das Leben in der Stadt,
Das viel Vergnuͤgen hat, 0
Dort geht man nicht, wie hier zu Fuß
Man faͤhrt in goldnen Wagen —
Und iſt man muͤd, ſo kann man ſich
Auf ſamtne Polſter legen —
Dann trinkt mau Chocecolade,
Coffee und kimonade —
Heißt gnaͤdige Frau bald rechts,
Und gnaͤdige Frau bald links —
Und jetzt ſchlecht weg — ihr Dienerin!
7 Frau Meiſterin, Frau Tiſchlerin! (ab)
Vierzehenter Auftritt.
(Wald. Johann und Amalie, will fort.)
Amalie. Laß mich, daß ich den Ungetreuen aufs -
ſuche, und ihm feinen Meineid vorhalte —
Johann. Wo wollen fie denn hin, gnaͤdiges Fraͤu⸗
lein! warten ſie lieber dort in ihrem Wagen, biß
es dunkel wird — denn im Vertrauen geſagt, der
Herr Graf hat ſo eine kleine Spitzbuͤberey vor mit
dem Bauernmaͤdchen. |
Amalie.
2
eine ländliche Operette in einem Aufzug. 79
Amalie. Wie das? Eh
Johann. Er will fie entführen ‚und dieſen Abend
noch in die Stadt tranzportiren. 1
Amalie. In die Stadt — der Untreue — Ja —
ich will mich fo lange hier aufhalten — um uuer⸗
kannt ſeine niedrige Handlung belauſchen zu koͤnnen.
Johann. Laßen Sie ſich das nicht fo zu Herzen
gehen, gnaͤdiges Fraͤulein! den das Untreuſeyn der
Manner iſt jetzt fo in der Mode, wie die dicken
Halsduͤcher , die die Frauenzimmer in der Stadt
tragen — Es heißt halt auch, viel Geſchrey und
wenig Walle. (ab) ö |
Amalie. Manner — Männer! die wir euch un⸗
ſere Ruhe aufopfern, um uns ſo ſchaͤndlich dafur
belohnt zu ſehen — und doch liebe ich ihn aus dem
Innerſten meines Herzen — den Ungetreuen —
Der Gefuͤhle ſeeligſte — o Liebe!
Menſchenwonne! himmelreiner Friede,
Kehre doch in meine Bruſt —
Lade mich zu deinem Mahle,
Traͤnke mich aus deiner Schalle
Fuͤlle mich mit neuer Luſt —
Laß mich den Geliebten finden,
Laß mich Hochzeitkraͤnze binden
1 Laß mich wandlen um und en —
WMit ihm — ins Eliſtum. — (ab.
Fuͤnfzehenter Auftritt.
Moritz kömmt von der entgegen geſetzten Seite, in
Melancholie verſunken, ſeine Flinte auf dem Rücken.
Da bin ich nun wieder im Freyen — aber in
mir iſt es ſo eng und truͤbe — Was iſt mir jezt
die Welt ohne Roͤschen Liebe? ein qualvoller Mor⸗
gen, der mir immer wieder den neuen Kummes
meines Lebens entgegen ruft — (Pauſe) Ja — mein
Entſchluß iſt gefaßt — ohne Roͤschens Liebe iſt mir
dieſe Welt eine Mördergrube — fie in den Armen
* eines
80 Der unſchuldige Betrug
eines andern zu ſehen, wäre quälende Erinnerung
meines vergangenen Gluͤckes — Ich will ſterben —
Auf dieſer Erde iſts ſo ſchoͤn a
Und doch muß ich von dannen gehn
Von dieſem ſchoͤnen Ort — f
Quagal — Harm ſchließt mir die Augen zu,
Ich habe weder Raſt noch Ruh
Was nuͤtzt mir alles Geld und Gluͤck,
Es ſchimmert einen Augenblick —
Ach! Roͤschen Nahme wiederhallt,
So wie der Blitz durch Aeſte ſtrahlt —
Auf dieſer Erde iſts io ſchoͤn,
And doch muß ich von dannen gehn. —
Morig. (ſieht ich um) Ja, ich bin allein — mein
Eutſchluß werde vollbracht — ich will ſterben. —
Hier an dieſem Baum — daß Rohr an das Herz —
und weg iſt auf einmal dieſe Marter, die meine
Seele preßt. — Guter Gott! deine Erde iſt fo
ſchoͤn — ſte iſt werth, daß man ihr eine Thraͤne
weiht — aber auch nur dieſe noch — die letzte —
dann keine mehr. — Ja — es ſeye — (er geht dem
Daum näher — man hört Johann.)
Sechzehnter Auftritt.
(Moritz. Johann mit einer Flaſche Wein, etwas betrunken.)
Johann. (ſtotternd und wankend) He, he, Buͤch⸗
ſenſpanner! was treibſt du? taaſend Fikrament!
wirſt — wirſt doch dich nicht ſelber erſchieſſen wol⸗
len — he! |
Moritz. (bey Seite) Ha, daß ich verhindert wer⸗
de, einen meiner ſeligſten Entſchluͤſſe auszufuͤhren. —
Johann. Willkomm — wilkomm — Lan smann
— willkomm — Herr — Herr Bruder! aber zum
Henker! was fehlt dir — ich — ich glaud gar, du
muſt nicht gut in die Ferne ſehen, daß du mit
deiner Flinte ſo in der Naͤhe geblieben biſt — da
— trink einmal — Juh! es leb unſere neue Bru⸗
derſchaft. — (trinkt.) RE)
eine ländliche Operette in einem Aufzug. Zr
Johann. Und — und warum nicht — fo lang
noch Wein waͤchſt, ſo — ſo muß man luſtig und
froͤhlich ſeyn — a — a — apropos — warum — wars
um haſt du dich dann erſchieſſen wolln — Herr
Bruder! \
Moritz. Wegen meinem Maͤdchen. — Ich liebe
ſie, wie mein Leben, und ſie iſt mir ungetreu. —
Johann. Und deß — deßwegen haſt du dich er⸗
ſchieſſen wollen — pfui Teufel! ſchaͤme dich, Herr
Bruder! erſchieſſen — wegen einem Maͤdchen, haͤtteſt ja
da kein Tröpfel Wein mehr trinken innen —
Nein — das — das gehe ich nicht ein —
Nein, nein, das kann nicht ſeyn —
Ich ſollte mich ertrinken,
Ich ſollte mich erhenken
Und wegen einem Weib?
Ey — ey — das laſſe ich wohl ſeyn —
Nein — das gehe ich nicht ein.
Ich werde mich ertrinken, —
Wenn volle Glaͤſer winken
Vey einer Flaſche Wein n
Ja ja ja ja das geh' ich ein. (wankt ab)
Siebenzehnter Auftritt.
(Moritz allein, — hernach Amalie.)
Moritz. Ha, daß ich auch noch fo gluͤcklich wäre, des
Lebens Freuden in ſo vollem Maaße genießen zu koͤn⸗
nen. — — Ingluͤcksbote! daß ich dich nie geſe⸗
hen haͤtte — und all mein Leiden waͤre geen-
det, geendet all die Duaal , die meine Sinne vers
wirrt — ha — wen ſeh' ich da auf mich zufoms
men — ein Frauenzimmer —
Amalie. Biſt du der Ungluͤckliche, der ſich ſo eben
aus Verzweiflung fein Leben rauben wollte —
Morin. Leider ja —
Amalie. Entdecke mir dein Anliegen — kann ich
dir durch Geld oder meine Fuͤrſprache helfen, ſo
will ich es thun. — 5
mi Moritz.
32 Der unſchuldige Betrug,
* Moritz. Euer Gnaden! Für mich iſt keine Huͤlfe
mehr vorhanden. — Mir iſt das edelſte, was ich
in dieſem Leben beſaß, mir iſt jede Freude meines
Lebens entriſſen —9 ich liebte ein Maͤdchen. —
Amalie. Laß weiter deine Geſchichte hoͤren. —
Moritz. Sie liebte mich — ihr Vater verſprach
mir fie zur Gattinn — da koͤmmt nun ein vorneh⸗
mer Herr aus der Stadt — nimmt ſie mit dahin —
und ſie — von leeren Hofnungen getaͤuſcht — vers
läßt mich — folgt ihm — und uͤberlaͤßt mich meinem
Gram und Verzweiflung — —
Amalie. Und dieſer vornehme Herr — ?
Moritz. Iſt Graf Dornwall — a
Amalie (erſchrickt) Graf — Graf Dornwall — ſagſt
du — Graf Dornwall wird ſich ja naͤchſtens ſelber
verheirathen. 2
Moritz. Er erhielt geſtern fruͤh einen Brief von
ſeinem Freund, der ihm ſchrieb, daß ſeine Braut
durch die Pocken ſo ſehr verunſtaltet worden
daß fie nicht mehr zu kennen wäre. — .
Amalie. (bey Seite) Das iſt das Werk des Gras
fen Luft, der ihm dieſe erdichtete Nachricht er—
theilte. — (laut) Guter Freund! willſt du ſchwei⸗
gen, wenn ich dir etwas entdecke. —
3 Fraͤulein! ſo gut, als wenn ich ſtumm
ware —
Amalie. So wiſſe, ich bin Amalie — Dornwalls
Braut — komm, fuͤhre mich unerkannt in deine Woh⸗
nung, es faͤngt ohnehin ſchon an Abend zu werden —
dort werde ich auf Mittel bedacht ſeyn, dich mit
deinem Roͤschen gluͤcklich zu machen.
Moritz. Sie? Sie — des Herrn Grafen Braut
— ein ifo liebenswuͤrdiges Fräulein — und Sie
wollen mir zu meinem Roͤschen behuͤlflich ſeyn? Nun
— der Himmel fol ſie tauſendmal dafür ſegnen. —
. (küſſet ihr die Hand.)
Amalie. Ja, Roͤschen ſoll die deine ſeyn
Und keine ſonſt auf Erden —
Moritz. O Roͤschen, Roͤschen! du biſt mein,
Du ſollſt die meine werden.
eine ländliche Operette in einem Aufzug. 83
| Beyde. |
Moritz. Fuͤr Nischen geb ich Gut und Blut
Amalie. Zufriedenheit — daß ſey dein Gut —
Dieß wuͤnſch ich dir von Herzen —
Moritz. Sie laßen — welch ein Schmerzen —
O Roͤschen — Roͤschen! du biſt mein —
Amalie. Nur Röschen ſoll die deine ſeyn. (ab)
Achtzehnter Auftritt.
(Vorige, Tiſchlerwerkſtatt. Hobelbank n, Balbverfertigte
5 Kiſten.)
Niklas. (zieht feine Tochter herein in das Zimmer)
Herein geh — du Nebelhexe! da ſtell dich her —
ſtell dich vor mich hin — ſag ich — und lach nicht,
oder ich dreh dir den Hals um — 8
Rösch. Und was will denn jetzt der Vater —
Niklas. Gib mir deine Hand — (er beſchaut fie)
Jetzt geh mir da auf und ab — (fie geht auf und ab)
Es iſt wahr, es iſt wahr — ich kann dem Mädchen
nicht feind ſeyn — ich muß mir ſelber was darauf
einbilden, daß ich ihr Vater bin —
Rösch. (lacht aus vollem Halſe) ha, ha, ha. —
Niklas. Nun — und was lachſt, du Nikel! bin
ichs etwa nicht — he! Weiſt du was, Roͤſel! laß
einmal vernünftig mit dir als Vater reden — ſchau!
ich hab dich gern, das weiſt, aber in die Stadt
mit dem Herrn Grafen darfſt mir nicht —
Rösch. (bittend) Aber lieber Vater!
Niklas. Nichts, daraus wird nichts — wenn bu.
heirathen willſt, ſo nimm den Jaͤger — es iſt ein
braver Purſch — er hat dich gern. — |
Rösch. Nun der Herr Graf hat mich ja auch
gern — f 5 f
Niklas. So fuͤr die lange Weile, anders nicht
— morgen nimmt er dich mit in die Stadt, und
uͤbermorgen ſchickt er dich wieder mit Spott nach
Haus. — Eben recht, daß du kommſt — (Bernhard
| kommt.)
20. Neun⸗
84 | Der unſchuldige Betrug,
Neunzehnter Auftritt.
(Vorige, Bernhard.)
Bernh. Was ſchafft der Meiſter. —
Niklas. Da geh her, und horch, was ich dir
ſag — du bleibſt da bey meiner Tochter. —
Bernh. Recht — Meiſter! 5
Niklas. Und laͤßt ſie nicht aus der Werkſtatt hin⸗
aus — haſt mich verſtanden —
Bernh. Sad on recht Meiſter.
Niklas. Ich komm gleich wieder — (bey Seite)
Will nur geſchwind den Jäger holen, damit ich die
Sache richtig mache. — laut) Wenn du ſie aber
901 e keſegſt du Pruͤgel nach dem Alpha⸗
et. — 1 i
Rösch. Allerllebſt — einem vorſichtigern Waͤchter
hatte mich mein Vater nicht übergeben koͤnnen —
— (laut) Nun Adieu — Mußieu Bernhard!
Bern 1 (eritt vor die Türe) be, he — piano —
Jungfer Roͤschen! (fe) fie w. iß, was ich fuͤr ein
Amt hab — ich bin jetzt Ehrenwaͤchter über ſie —
fie bleibt hier. —
Rösch. Ich muß ihm nur ſchmeicheln. — (laut)
O mein lieber Bernhard! —
Bernh. Es iſt ſchon ſo gut- fort fort mar ſch
Rösch. (weint in die Schürtze) Es iſt — es iſt ſch on
recht — hihi — hi — haſt immer geſagt, du habeſt
mich ſo lieb, und jetzt — ich armes Madchen. —
Bernh. (weint auch) Nun — jetzt — jetzt ſey ſtill
— oder du machſt mir mein Herz weich. — 5
Rösch. (lacht hinter der Schürze.) weinerlich) Du
mein? vielleicht, daß ich fort will — der Himmel
bewahr. — Ich ich bin ja nirgends gerner, als
wo mein lieber Bernhard iſt — und wenn du
vollteſt, ich koͤnnte heute noch — hi- hi- hi
Bernh. Und was — etwa meine Frau werden —
(geht von der Thüre weg.)
Rösch. Nun — und warum denn nicht — hi —
hi - hi —
Bernh.
eine Ländliche Operette in einem Aufzug. 85
Bernh. Schau Röschen! ich bin dir fo gut Fund
wenn du mir auch gut wert — fo — nun — du wirft
mich ja wohl verſt⸗ hen — Geh — R; schen! ſetz dich
daher — und fing mir ei nal mein keibliedch en — damit
uns die Zeit vergeht. —
Rösch. Nun — ſo ſetz dich nur — ich will dir ja
gern den Gefallen erweiſen — was meinſt den für
ein Lied — das vom Gimpel und vom Zeiſig —
Bernh. Richtig — das vom Gimpel und vom Zei⸗
105 Rösch. Nun fo hoͤr — (er ſetzt ſich auf die Kiſte, und
hört mit vieler eee keit zu.)
N Ein Zeiſig war einſt auf dem Baum
In einer Schling gefangen —
Man ſah — wie er ſich N kaum,
Es ließ das Koͤpfchen hangen —
(zieht ſich immer der Thüre näher)
Bernb. Nun — fo bleib nur näher , — was machſt
du denn bey der Thuͤre — (er hohlt ſie, ſetzt ſich wieder
dahin.)
Ach armes Zeiſchen! waͤreſt du 8
Hoch in der Luft geflogen —
So wär dir Freude und die N uh
Und Freiheit nicht entzogen —
(will wider dahin.)
Bernd. Ich moͤchte nur wiſſen, war um du im⸗
mer fo nahe bey der Thuͤre ſeyn muͤßte ſt (bohlt fie
zurück — er ſetzt ſich wieder) ſo ſing nur et jetzt
rns ja vom Gimpel. —
Jetzt flog ein Gimpel hin mit Ruf,
Und ſpottete des Armen,
Sein Kopf war ſchwarz, und roth die Bruſt,
Das Zeiſchen rief — Erbarmen!
Der Gimpel lacht — ein Jager kam,
Und hoͤrt ihm zu — und ſpannt den Hahn
Rif — puf — Nun hat er Spott z umdohn
Das Ziifhen flog davon.
N (mit Lachen ab)
i Bernh. fällt in die Küſte und ſchreit,
F 3 Lernh⸗
86 Der unſchuldige Betrug,
Bernh. (in der Kiſte) He — he — Meiſter — Vet⸗
ter — ich bin in die Kiſte gefallen —
Zwanzigſter Auftritt.
(Johann. Amalie, in bäuriſcher Kleidung)
Johann. Nun — wer zum Henker hat denn hier
fo ein Lermen —
Bernh. So helft mir nur heraus —
Amalie Was iſt denn hier geſchehen?
Johann. (bilft ihm heraus) Wie biſt denn du in
die Kiſte gefallen, bu dummer Gimpel du _
Bernd. Nun — freilich vom Zimpel hat ſie mir
vorgeſungen, und auf einmal — wie der Jaͤger ge⸗
kommen ift, bin ich da hinein gefallen. —
Amalie. Der Jaͤger — war er ſchon hier?
Bernh. Nein — er war nicht hier — aber ich
bin halt doch hineingefallen, wo iſt denn jetzt die
Roöſel — Fickerment! ich haͤtt fie ſollen nicht aus
dem Zimmer laßen — RUSS
Amalie. Such fie auf — ich hab etwas ſehr
nothwendiges mit ihr zu reden —
Bernh. Gleich — Euer Gnaden! au weh, mein
Ruͤckgrab — ſo laß ich mir doch in meinem Leben
kein Lied mehr vom Gimpel vorfingen. (hinkt ab)
Johann. Da thuſt du wohl daran — müßteft dir
nur deine eigene Malodie vorſingen laßen —
Amalie. Du haſt doch mit Roͤschens Vater ges
ſprochen, Johann!
Johann. Natuͤrlicher weiß — das iſt ein wacke⸗
rer Kerl, von altem Schrott und Korn — Wie ich
ihm ſagte, daß wir den Grafen gerne betruͤgen
möchten — huſch — war vor Freude fein Geſicht
ſod roth wie ein geſottener Krebs — ſtill — ich
glaube — ich hoͤr ihn —
Ein undizwanzigfter Auftritt.
(Vorige Niklas.) 6
Niklas. Schoͤn willkommen — ſchoͤn willkom⸗
N men
eeine ländliche Operette in einem Aufzug. 87
men, gnaͤdiges Fräulein ! Nun — Sappermoſt!
Euer Gnaden ſehen ja aus, als wenns Ihr Lebs⸗
lang n' Bauermädl g'weßt wären —
Amalie. O lieber Niklas! ihr erweiſet mir die
groͤſte Freundſchaft —
Miklas. Mein — mein — die groͤſte Freundſchaft
erweiß ich nur mir ſelber — der H. Graf hat mein
Maͤdl kapern wollen — Nur Geduld! jetzt will ich
ge Dr „ob ich ihn nicht kappern kann — ba
ba — ha —
Amalie. Wer hat euch denn den klugen Einfall
gegeben —
WMiklas. Wer? ha — ha — ha — meinen denn
Euer Gnaden, daß nur die guten Einfälle in der Re⸗
ſidenz Mode ſeyn — Wer anders — als ich — der
Tiſchlermetſter Niklas —
Verſtand kommt nicht vor Jahren,
Das hab ich oft erfahren —
Ein Tiſchler iſt ein braver Mann,
Das ſeht ihr mir doch an —
Er hobelt, er kopolt
Er klammert und hammert —
Er ſchneidet aus Dielen
Tiſch — Baͤnke und Stähle —
Drum, Leute! habt Reſpekt,
Man weiß nicht, was im Menſchen ſteckt
Ein Tiſchler iſt ein braver Mann,
| Das feht ihr mir doch an. (ab)
Johann. Das iſt meiner Six ein Kerl, den ich
morgen zum Burgermeiſter machte —
Amalie. Ich kann kaum die Stunde erwarten —
lieber Johann!
Johann. So haben Sie nur Gedult — mir war
ja — als wenn ich jemand reden hörte — (geht an die
Thüre) — ſtill — richtig er koͤmmt — (nimmt bas Licht)
Courag — Fraͤulein! ich laure an der Thür —
verſtellen Sie ſich fo! gut fie koͤnnen — Courage —
Courage. — e ab)
54 Zwey⸗
88 Der unſchuldige Betrug,
Zwey und zwanziaſter Auftritt.
(Nacht. Amalie, hernach Graf Dornwall.)
Amalie. Liebe — Liebe! was läßeft du nicht die
Menſchen unternehmen — Er koͤmmt— wie ich zittre
Dornwo. Bald iſt die Stunde der Entſcheldung
da — mein Wagen ſteht parat — heute aus dem
Hauß und morgen die große Umwandlung in der
Stadt — Ich hoͤre Jemand — (leiſe) öden
Roͤschen!
Amalie. (leiſe) Veeſtellungsk kunſt laß mich cht
ſtecken — (laut) Herr Graf! Herr Graf,
(Dornw. (Huſtet —)
(Amalie (Huſtet auch.)
Doraw. Biſt du ſchon fertig — es iſt ſchon al⸗
les bereit.
Amalie. Nein — noch nicht — aber — Himmel!
ich zittre —
Dor no. Welche Zweifel umnebeln deine Sinne —
warum denn ſo traurig — g
Amalie. Ich denke nur ſo bißweilen an meinen
Jaͤger Moritz — wie ſich der gute Menſch abhaͤrmen |
wird —
Dornw. Wenn du drey Tage in der Stadt biſt,
fo wirft du nicht mehr an ihn denken — ein Aus |
geublick dort verſäßt dir ein ganzes Jahr, das du
hier unter den einfaͤltigen Bauern zubringſt — 2
Amalie. Aber — Herr Graf! ihre Braut — Fraͤu⸗
lein Amalie! i
Dornw. So laß mich nur jetzt mit dem pocken⸗
narbichten Mädchen zufeieden, wer kann fuͤr das Un⸗
gluͤck, das ſie traf. —
Amalie. Wenn aber ihre Seele eben ſo ſchoͤn ; als
ihe Geſicht haͤßlich iſt. —
Dornw. Welche Bedenklichkeiten (leiſe) Ich muß
nur das äußerſte wagen (laut) Sieh — damit du
ſiehſt, daß ich dich nicht betrügen kann — hier —
gebe ich dir meinen Nigg „den ich von Amalien era
hielt. —
Amalie.
eiue Ländliche Gpererte in einem Nufzug. 89
Amalie. (leiſe) Ha — nun bin ich verloren —
der Verraͤther!
Dornw. Du biſt doch jezt ganz ohne Sorgen —
Amalie. Ja — ganz —
Dornw. So warte hier — ich bab vergeßen, noch
etwas zu beſtellen — In einigen Minuten komm ich
und hole dich ab — 955 dann heiſts — auf den
Fluͤgeln der Liebe in die Arme der Freude.
Amalie. Guter Gott! was mußte ich hoͤren?
Ungetreuer! geh zu deinem Madchen hin —
Buhlteſt du um meine Liebe
Schwureſt du mit reinem 75 7 5
Mein biß in den Tod zu ſeyn
Und ſo bald iſt dir dahin 1
Lieb und Schwur — und Herz 55 Sinn
a
Dreyund zwanzigſter Auftritt.
(Niklas aus dem Seitenzimmer, hat die Kleidung feines
Weibs an.) 9
Niklas. Nur Gedult! werd dem Herrn Grafen
ſchon den Gedanken vertreiben, auf die Mabchen⸗
jagd zu gehen. — Es iſt jan’ Suͤnd und n' Schand
— ſagt, das Maͤdl ſey von den Kinderpoken ver⸗
dorben, und hats nicht ein Wehe daß mans in
Wachs pauſiren koͤnnt. —
Vier und zw anzigſter Auftritt.
| (Niklas, der Graf.)
SGraf. (eilend) Da bin ich ſchon wieder — faſt
m ic) een ee Piſtolen in den Wagen zu
her, und 12 7 ale!
Graf. Roͤschen — wo biſt du —
Niklas. (mit Weiberſtimme⸗ ER — hier — |
Eraf.
80 Der unſchuldige Betrug, | N
Graf. Wo — wo — ich find dich ja nicht. —
Niklas. Da — da — da bin ich. —
Sraf. Gib mir dein hoͤb ſches Hoͤndchen — laß
michs Füßen. — (küßt ihm die Hand.)
Niklas. O weh — fie druͤcken mich ja hald todt. —
Graf. Dein alter brumichter Vater wird uns doch
nicht in die Queere kommen. —
Niklas. O nein —
Graf. Ich kann kaum die Stunde erwarten, bis
du in der Stadt biſt. —
Niklas. Ich auch. —
Graf. Dort ſollſt du herrliche Sachen von mir
bekommen. — Hoͤr einmal — |
Lauter . Dinge, .
Goldne Uhren, goldne Ringe —
180 nge und Gewaͤnder,
Um und um mit £ Roſenbaͤnder —
Weiſe Feder und Diamanten
Handpraß lets von en.
Mädchen eine ganze Welt —
Iſt zu deinem Dienſt beſtellt.
Fünf und zwanzigſter Auftritt.
Vorige, Röschen. ;
Rech. Hier — Herr Graf! ein Bauermaͤdchen
hat mir dieſen Ring gegeben — Sie will nicht mit
ihnen in die Stadt gehen —
Graf. Was bir or Himmel! ich bin verra⸗
then — wer biſt du?
in hä (Mit Dannsfimme) Der Tiſchlermeiſter
iklas —
Graf. (zieht feinen en Wer erfrecht ſi |
Niklas. He— zu Hülfe — (er jagt ihn fort) 1
Sechs und zwanzigſter Auftritt.
Rösch. Guter Gott! es wird ihm doch kein Leid
geſchehen dem lieben Vater — nun, er hat die Kraͤf⸗
te, 75
eine ländliche Operette in einem Aufzug. 91
te, er wird ſich ſchon zu ſchuͤzen wißen. Der boͤſe
Graf! wie leicht haͤtte er mich armes Maͤdchen be⸗
truͤgen koͤnnen. Welch ein Unterſchied zwiſchen ihm
und Moritz! der gute Junge! wie er mich unerach⸗
tet meiner Falſchheit noch liebt — O Moriz: Mo⸗
riz! komm in die Arme deines Maͤdchens — du biſt
mein auf ewig. 8
Wenn die Sonne ſich enthuͤllt,
Und die Fluren lachen,
Soll mir Moriz ſchoͤnes Bild
Freud und Wonne machen —
Bey Tag, bey Nacht — beym Mondenſchein,
Soll er nur mein Gedanke ſeyn.
(Moriz eilt in ihre Arme.) |
| Du willſt nun die meine ſeyn.
Rösch. Ja ich ſchlage willig ein —
LDi.iu biſt mein 6
| Moriz. Ich bin dein —
| Beyde.
Jza du fol die meine ſeyn.
Sieben und zwanzigſter Auftritt.
Johann. Bernhard — beyde mit Windlichtern. Marth.
Graf mit dem Tiſchler. |
Graf. Was ſehe ich — Johann — Amalie!
Amalie. Einſt ihre Amalie — ihre Braut —
Graf. (zu Johann) Wie ſieht fie aus — Johann!
Johann. Garſtig — wie des Belzebubs Grosmut—
ker — f
Graf. Nun — Gott ſey Dank — jetzt bin ich
wieder ruhiger — (laut) beſte Amalie! wie ſehr be⸗
daure ich Sie — Aber — da ihre kraͤnklichen Um⸗
ſtaͤnde — laſſen Sie mich nur aus Neugierde —
* | (will fie entſchleyern)
Johann. Laßen Sie fie gehen — ſte hat ja einGeſicht,
us wenn man Erbſen barinn gedroſchen hätte —
Sraf. Nur einmal — Ama lie.
Amalia in ihrer rechten Kleidung, aber verſchleyert, der
92 Der unſch. Betr. eine laͤndl. Op. in ein. Aufzug
Amalie. Nicht einmal — der rechtſchaffene Mann
Siebe nicht das Geſicht — er liebt das gute Herz
ſeiner Gattin. — 4
Graf. Und wie iſt es denn mit dir, Roͤschen! |
Rösch. Ich dank für die Ehr — (mit einen Kniks)
Moritz wird mein Mann — }
Miklae. Und ich geb meinen muͤtterlichen Seegen
und den väterlichen oben drein — Ihr ſeid ein
paar- — N
Graf wirft ihr den Schleyer unverſehens weg, wie ee
fie ſteht, fällt er ihr zu Füßen — Amalie — Verzeihung
— Tugend geht vor Schoͤnheit — |
Amalie (ihm in die Arme) Ich verzeihe — (Pauſe.)
Nundgeſang.
Sraf. Unter Scherzen, unter Kuͤßen,
Sollen unfre Tage fließen.
(malie. Wie der Bach fo ſanft und leicht,
Durch das Blumenufer ſchleicht.
Chor.
Wie der Bach fo fanft und leicht,
Durch das Blumenufer ſchleicht.
Moriz. Wie fo herrlich, wie fo ſeelig,
Iſt der Liebe Roſenband.
Rösch. Dank dir Gott, daß du allmaͤlig,
Uns vereinigt Hand in Hand.
Bernh. Moritz. Röschen.
Gluͤck zu — von jetzt an wollen wir
In Fried und Eintracht leben,
Zum Zeichen unſrer Freundſchaft hier
Die Hand des Friedens geben. —
1 Alle. 4 j
Sie geben einander die Hände — tanzen unter diefen Chor
um Amalien und den Grafen im Kreiße herum —
Ja! laſſet uns in Einigkeit 1
Froh und zufrieden ſenn —
In himmliſcher Zufriedenheit
Der Liebe nur uns weihne
Der Vorhang fällt.
4.
us
ung